Die andere Tour de Suisse

Text: Luzia Niederberger – Bilder : Luzia Niederberger, Charles Henry

40 Jahre Future Bike! Um dieses Jubiläum gebührend zu feiern, ist die Idee aufgekommen, eine Tour de Suisse durchzuführen und mit dem Liegevelo jene Orte in der Schweiz anzufahren, welche für den Verein in den vergangenen vier Jahrzehnten prägend waren.

Auch unsere schweizer Freunde feierten 2025 ihre 40 Jahre Future Bike! Sie fuhren ihre traditionelle Maitour diemal etwas größer und geben damit auch uns Nordländern einige Anreize, mal einen Fahrradurlaub in ihrem manchmal etwas hügeligem Land zu verbringen.

Die Route

  • Do, 22.5. Zürich → Eröffnung Velotunnel HB
  • Fr, 23.5. Zürich → Burgdorf / 110 km
  • Sa, 24.5. Maibummel vom HbF Bern, Welle 7 → Laupen Schienenvelo → Biel / 53 km
  • So, 25.5. Biel → Morgenrunde
  • Mo, 26.5. Biel → Interlaken / 85 km
  • Di, 27.5. Interlaken → Stans / 74 km / 1000 hm
  • Mi, 28.5. Wasserbikes → Zug / 58 km
  • Do, 29.5. Zug → Jona , Speedbikes / 50 km / 700 hm
  • Fr, 30.5. Jona → Tösstal→ Zürich / 80 km / 600 hm
  • Sa, 31.5. Zürich → Züriseerundfahrt 70 km

und jetzt der zugehörige Reisebericht:

Velotunnel

Den Auftakt zu diesem mehrtägigen Anlass macht die Eröffnung des Velotunnels in der Stadt Zürich. Neu können Velofahrende bequem und sicher unter dem Bahnhofsareal hindurchfahren, statt sich mühsam durch den dichten Verkehr rund um den Hauptbahnhof schlängeln zu müssen. Rund 1.500 Personen versammeln sich am Donnerstagabend, um als Erste den Tunnel auf dem Velo zu durchqueren, darunter auch eine kleine Delegation von Future-Bikern aus Zürich.

Lageplan des Velotunnels
Lageplan des Tunnels (vom SRF)

Der Tunnel führt ist rund 440 Meter lang, in der Mitte befindet sich eine Velostation mit Platz für 1240 Velos, die gratis benutzt werden kann. Gebaut wurde der Tunnel ursprünglich als Autobahnverbindung. Doch die Pläne des sogenannten «Ypsilon» wurden nie realisiert. Der Tunnel ist auch „Liegevelo-tauglich“, Kommentar einer Teilnehmerin: „Auch liegend wie auf dem Sofa ist der Tunnel super.“

Beim SRF gibt es einen Artikel mit Film zu Eröffnung und Geschichte (Achtung – keine Untertitel in Hochdeutsch)

Beginn Tour de Suisse

Am Folgetag macht die Gruppe den offiziellen Auftakt zur Tour de Suisse und nimmt die Fahrt nach Burgdorf unter die Räder. Das Wetter ist sehr unbeständig und für die nächsten Tage ist nicht viel Sonnenschein zu erwarten. In Burgdorf stosse ich zur Kerngruppe dazu, welche sechs Personen umfasst. Diese Gruppe wird mehr oder weniger die gesamte Tour absolvieren (Andi, Elisabeth, Charly, Michi, Guido und ich). In der Jugendherberge im Schloss auf dem Hügel sind wir einquartiert und geniessen einen traumhaften Rundblick über die Stadt. Wir essen wie die Fürsten und nächtigen wie die Könige. Ein Höhepunkt!

Die Gruppe vor dem Start
Die Gruppe vor dem Start

Maibummel

An den folgenden zwei Tagen (Sa. und So.) ist der offizielle Maibummel angesagt, welcher in Bern startet. So fahren wir am frühen Morgen los und treffen die weiteren Teilnehmenden beim Hauptbahnhof. Bis die Gruppe endlich so weit ist und die Velos unter den Hintern nimmt, dauert es eine Ewigkeit. Denn man hat sich länger nicht mehr gesehen, tauscht Neuigkeiten aus und bespricht die technischen Details der neuen Lieger. So ist das nun mal in der Liegeveloszene…

Schienenvelos

Laupen ist unser nächstes Ziel. Ein Ort mit besonderer Bedeutung für unseren Verein. Vor rund 25 Jahren fanden hier Schienenvelo-Wettkämpfe statt. Wir dürfen heute der Nostalgie frönen und eine ratternde Fahrt auf der stillgelegten Eisenbahnstrecke entlang einer renaturierten Wasserlandschaft unternehmen. Auf der 4,5 km langen Strecke kann eine Geschwindigkeit von bis zu 25 km/h erreicht werden.

Auf dem Schienenvelo
Auf dem Schienenvelo

Alle haben sichtlich Spass. Mit kindlichem Eifer wird versucht, den vorderen Wagen zu rammen oder den hinteren auszubremsen. Die einen treten sich dabei die Lunge aus dem Leib, während die anderen bequem in der Mitte des Wagens sitzen und die Pedaleure anfeuern.

Gemütliches Beisammensein

In Biel verbringen wir zwei gemütliche Tage mir Übernachtung in der Lago Lodge. Der Himmel zeigt sich weiterhin grau und düster. Wir entkommen jedoch immer wieder knapp dem Regen und dürfen zwischendurch sogar ein bisschen Sonne sehen. Nach einer morgendlichen Velorunde am Sonntag rund um den Bielersee und einer nachmittäglichen Plauderstunde findet der Maibummel am Abend seinen offiziellen Abschluss. Mehrere Personen reisen anschliessend ab.

Am Morgen beim Aufbruch nach Übernachten in der Lago Lodge Biel
Am Morgen beim Aufbruch nach Übernachten in der Lago Lodge Biel

Kommen und Gehen

Die Tour de Suisse geht weiter. Jeden Tag stösst jemand Neues zur Kerngruppe dazu und verlässt sie später wieder. Auf diese Weise haben an der ganzen Tour insgesamt etwa 20 Personen teilgenommen. Ab heute fahren auch Erwin, Jürg und Willi mit. Unsere Weiterfahrt führt uns an Steffisburg vorbei, wo wir spontan unter der Führung von Theo das Fabriggli, eine Ausstellung mit Handwerk aus vergangener Zeit, besuchen.

Jugi Interlaken
Start von der Jugi Interlaken

Unsere nächste Destination ist Interlaken. Im Jahr 1999 fand hier auf dem Flugplatz die Liegevelo-Weltmeisterschaft statt. Auch in den Jahren danach führte unser Verein auf dem Gelände verschiedene Rennen durch. Beim Vorbeifahren am Flugplatz starten gerade F/A18-Kampfjets, welche einen ohrenbetäubenden Lärm verursachen. Wir schauen und hören eine Weile zu. Für die Nacht sind wir in der Jugi Interlaken untergebracht. Auf unserer abendlichen Schlendertour durchs Dorf begutachten wir die üppige Uhren- und Schmuckauslage in den Schaufenstern und reiben uns verwundert die Augen ob den exorbitanten Preisen.

Kilometer und Höhenmeter

Andi, unser Tourenleiter, findet immer wieder irgendwelche Hügel zum Überqueren. So kommen jeden Tag einige Kilometer und Höhenmeter zusammen. Er führt uns während der ganzen Tour souverän über verkehrsarme Strassen, durch Wiesen und Wälder. Er lässt sich von den Wirren der Velowege nicht irritieren und bleibt auch dann gelassen, wenn er doch einmal ver(w)irrt ist. Wir vertrauen ihm blindlings und fahren unbeschwert hinterher. Die Fahrt über den Brünig nehmen wir nicht von Brienz aus unter die Räder, sondern von Meiringen. Wir steigen auf 1’008 Meter hoch und geniessen die lange Abfahrt nach Giswil hinunter.

Auf dem Brüningpass
Auf dem Brüningpass

Michi hat ein Problem mit den Bremsen, welches er jedoch mit seinem fachmännischen Geschick schnell löst. Endlich kann auch er in schönem Tempo vom Pass runterrollen. Unser Ziel heute Abend ist Stans, wo die Mehrheit der Gruppe im ehemaligen Kapuzinerkloster nächtigt. Apéro und Z’Nacht gibt es für alle bei mir zu Hause.

Wasserbike

Die nächste geplante Aktivität führt uns nach Ennetbürgen, wo wir Velosport auf eine völlig neue Weise ausprobieren wollen. Zu zweit sitzen wir auf dem Wasserbike, der eine vorne in der Liegeveloposition und der andere hinten aufrecht sitzend. Die beiden luftgefüllten Träger garantieren eine stabile Wasserlage, auch bei Turbulenzen, die durch vorbeifahrende Schiffe entstehen. Unserem Vereinspräsidenten ist selbstverständlich ein Einzelfahrzeug vorbehalten. Er geniesst es sichtlich. Wir fahren dem Ufer entlang Richtung Nas und schätzen die Ruhe auf dem See. Zum Baden ist es zu frisch und es reicht uns, wenn die Füsse von den Spritzern nass werden.

Vorbereitung Wasserbikes
Vorbereitung Wasserbikes
Andi auf dem Wasserbike
Andi auf dem Wasserbike
Auf dem Wasservelo
Auf dem Wasservelo

Pflotschnass

Die Weiterfahrt nach Zug ist äusserst garstig. Es schüttet wie aus Kübeln. Unterwegs suchen wir Schutz im VeloPlus-Laden in Emmenbrücke und hoffen, dass sich die Regenfront bald verzieht. Nachdem wir das Angebot im Laden ausgiebig betrachtet haben, müssen wir einsehen, dass wir nicht um den Regen herumkommen.

Pflotschnass
Pflotschnass

Triefend nass erreichen wir Zug, wo in der Unterkunft umgehend jeder Haken und Kleiderbügel in Beschlag genommen wird. Auch das Altpapier von der Reception ist heiss begehrt, um die Schuhe auszustopfen.

Heimatort Peregrin

Über Nacht ist alles tip top trocken geworden. Am Morgen schauen wir verwundert aus dem Fenster, denn die Sonne scheint. Wir fahren über Menzingen und Pfäffikon, machen einen Umweg zum Walensee und erreichen unser nächstes Etappenziel Rapperswil. Unterwegs messen wir uns mit einem ambitionierten Normalo-Velofahrer. Wir finden es lustig, er weniger. Irgendwann wird es ihm zu blöd, er biegt abrupt ab und der Spass ist vorbei. In Rapperswil werden wir von Regula und Jürg freundlich in der Werkstatt empfangen. Wir erfahren von den Beiden, welches die neuesten Anpassungen und Optimierungen bei der nächsten PeregrinSerie sein werden.

Tösstal

Bereits am Morgen ist es heiss. Wir wollen via Tösstal Richtung Zürich fahren. Wer herunterfahren will, muss zuerst hoch. Das ist eine Gesetzmässigkeit. So absolvieren wir im Schweisse unseres Angesichts einige Höhenmeter, bis wir endlich durch das wunderbare Tösstal hinuntergleiten können. Die Fahrt der Töss entlang ist ein Traum. Ich bin begeistert von der Schönheit der Gegend. Für mich ist diese Strecke absolutes Neuland. Unterwegs verdünnt sich unsere Gruppe immer mehr und wir sind nur noch Vier, die bis Zürich fahren. Hier findet die Tour de Suisse ihren offiziellen Abschluss.

In der Linthebene
In der Linthebene
Stromschnellen
Stromschnellen

Ursprünglich wäre für morgen noch eine Züriseerundfahrt geplant gewesen. Aber niemand kann sich dafür begeistern. Nach acht intensiven Tagen auf dem Velo ist für alle genug. Bevor wir uns voneinander verabschieden, sind wir bei Charly zu Hause zu einem kühlen Drink im schattigen Garten eingeladen. Hier lassen wir die gemeinsamen Tourentage ausklingen.

Tausend Dank

Es ist Andi, unserem Vereinspräsidenten, zu verdanken, dass diese Tour de Suisse stattgefunden hat. Er hat die Idee dazu gehabt, hat die gesamte Strecke geplant und uns während der Tour geschickt und sicher geführt. Elisabeth hat die Unterkünfte organisiert und dabei eine gute Auswahl getroffen. Wir haben uns überall gut aufgehoben gefühlt. Herzlichen Dank den Beiden für alles: Für die Idee eine Tour in dieser Form durchzuführen, für die Organisation und ganz generell für das hohe Engagement in unserem Verein.
Es waren wundervolle Tage. Tausend Dank.

Ein Bergpanorama
Ein Bergpanorama zum Abschluß