Bodensee 2024

Im Jahr 2024 führte die jährliche Speckwegtour unserer schweizer Liegeradfreunde vom 12. – 14. April entlang von Bodensee und Rhein. Die Route war Zürich – Konstanz – Rottweil – Schaffhausen, mit 110 km pro Tag und 1000 Höhenmetern.

Text: Luzia Niederberger, Fotos: Charles Henry

1. Tag

Zu fünft fahren wir am Morgen in Zürich los und radeln Richtung Ostschweiz. Obwohl die Sonne scheint, ist es ziemlich frisch und alle tragen warme Bekleidung. Bald jedoch wird es wärmer und die ersten Hüllen fallen. Meine Zürcher Kollegen fahren vorneweg und ich hinterher. Andi möchte heute ohne Pause bis Sommeri fahren (72 km) und erst dort zum Mittagessen halten. Erstaunt nehme ich dies zur Kenntnis. Ohne Kaffeepause? Das ist doch nicht Usus in unserer Gruppe.

Fahrt durch Mostindien
Fahrt durch Mostindien

Die Velotour führt uns an leuchtend gelben Rapsfeldern und blühenden Obstbäumen vorbei. «Mostindien» wird diese Gegend genannt. Wir fragen uns, was es mit diesem Namen auf sich hat. Dass der Most von hier kommt, ist uns allen klar. Aber was das Ganze mit Indien zu tun hat, bleibt uns ein Rätsel. Nach etwa zwei Stunden können wir Andi doch noch für einen Kaffeestopp überreden. Wir versprechen ihm nur kurz zu halten, so nach dem Motto: zackig bestellen, zackig bezahlen, zackig trinken und zackig weiterfahren. Nach 15 Minuten sitzen wir alle wieder auf den Velos.

Das Mittagessen nehmen wir in einer schönen Gartenwirtschaft ein. Wir geniessen den wilden Garten, die schattenspendenden Bäume und das Vogelgezwitscher. Die Weiterfahrt nach der Mittagsrast führt uns nach Salenstein am Bodensee, wo wir im Schloss Arenenberg übernachten wollen. Historische Bedeutung erlangte dieses Anwesen als Wohnsitz des späteren französischen Kaisers Napoleon III. In einer Pizzeria direkt am See geniessen wir den lauen Abend im Freien.

2. Tag

Heute stossen drei weitere Personen zu unserer Gruppe. Beim Bahnhof Konstanz holen wir Hans ab und fahren ein paar Kilometer weiter nach Deutschland, wo wir Dagmar und Sandro treffen. Wir stellen bereits am Morgen fest, dass gegenüber gestern ein markanter Temperaturanstieg erfolgt ist. Unsere Velofahrt ist schweisstreibend und wir fragen uns, wie wohl der diesjährige Sommer wird, wenn es jetzt schon so warm ist.

Es geht kreuz und quer über Wiesen und Felder, Hügel rauf und runter. Charly gibt uns fortlaufend bekannt, mit welcher Pace er fährt, vor allem bergauf. Seine Sportuhr ist für ihn und uns unverzichtbar. So werden wir nicht nur über seinen Kalorienverbrauch, sondern auch über Adrenalinausstoss, Hormonspiegel, Body Mass Index und Betriebstemperatur informiert.

Die Farben und Düfte des Frühlings sind betörend. Andi und sein GPS führen uns souverän durch die Gegend. Nur selten muss er sich mit Sandro abstimmen, wie es weitergeht. Der Rest der Gruppe kann sich voll und ganz auf die Beiden verlassen und unbeschwert die Gegend geniessen.

Seit gestern habe ich das Gefühl, dass ich mit meinem Peregrin nicht mehr so beschwingt vorwärtskomme, wie ich es gewohnt bin. Ich kann mit den anderen nicht mithalten, auch nicht abwärts. Als ich mein Vorderrad genauer überprüfe, stelle ich fest, dass dieses beim Drehen stark abgebremst wird. Kein Wunder musste ich gestern und heute derart kämpfen. Andi hat sofort die richtigen Bremsbeläge zur Hand und Michi legt sich ins Zeug und wechselt im Handumdrehen die Beläge aus. Mit neuem Elan setze ich mich wieder aufs Velo und siehe da, mein Peregrin rollt wieder fast von allein. Danke Andi und Michi!

Spaziergang durch Rottweil
Spaziergang durch Rottweil

Unsere Weiterfahrt führt uns an der Donau und am Neckar entlang. Am Abend erreichen wir Rottweil, die älteste Stadt Baden-Württembergs. Nach dem Einchecken im Hotel und einer Dusche schlendern wir durch die reizvolle historische Innenstadt. Um diese Jahreszeit sind nur wenige Restaurants geöffnet. Schliesslich finden wir aber ein Lokal, wo wir zu Abend essen können.

3. Tag

Bereits am Morgen ist spürbar, dass es wieder ein sehr warmer Tag wird. Wir fahren als erstes zum Thyssen Testturm am Rande der Stadt. Der Turm ist 246 Meter hoch. In den zwölf Schächten innerhalb des Turms, der einen Durchmesser von 21 Metern aufweist, können Aufzüge mit schwindelerregenden Geschwindigkeiten von bis zu 18 m/s getestet werden.

Unsere Rückreise in die Schweiz führt uns via Bäratal nach Schaffhausen. Auch heute sind wieder einige Auf- und Abstiege zu bewältigen. Wir können uns an der Frühlingspracht kaum satt sehen. Dieses Licht, diese Farben, dieser Duft. Charly kann nicht widerstehen: Er setzt sich mit seinem Velo mitten in die gelbe Löwenzahnwiese und lässt sich fotografieren. Sein oranges Veloheck schmiegt sich wunderbar im gelben Blumenmeer ein.

Michi beim Bremsbeläge auswechseln
Michi beim Bremsbeläge auswechseln
Thyssen Testturm
Thyssen Testturm

Ursprünglich war eine viertägige Tour geplant gewesen. Wir entscheiden die Tour heute Abend in Schaffhausen zu beenden, da für den nächsten Tag sehr schlechtes Wetter angesagt ist. Dagmar und Sandro verlassen uns nach dem Mittagessen, um zurück zu ihrem Auto zu fahren. Die restlichen sechs Liegeradfahrer peilen Schaffhausen an. Von dort gehen wir getrennte Wege. Hans bleibt für die Nacht in Schaffhausen. Ich nehme den Zug nach Hause. Der Rest der Gruppe fährt mit den Velos nach Zürich zurück.

Danke

Die Speckwegtour wurde von Andi und Elisabeth organisiert. Die Routenwahl und die Auswahl der Unterkünfte waren tip top. Alles wurde mit viel Sorgfalt geplant. Vielen herzlichen Dank den Beiden! Es war eine grossartige Tour.

Wir sind von Stürzen, Pech und Pannen verschont geblieben. Zum Glück reisen immer auch Schutzengel mit.