Velocars für zwei Personen: eine Übersicht

Text: Dietrich Lohmeyer – Fotos: Hersteller

Neben den Velocars für eine Person gibt es eine Reihe von Velocars für zwei oder mehr Personen, vorgestellt, zu denen ich hier eine Übersicht vorstelle.

„Zwei von drei Großstädtern wären bereit, auf ihr Auto zu verzichten. Wie viele andere europäische Metropolen, haben auch Deutschlands Großstädte ein Problem mit zu vielen Autos. Es herrscht chronischer Parkplatzmangel, zur Hauptverkehrszeit kommt es oft zu Staus.“ (von Pressbox.de)
Velocars sollen die Lücke zwischen Fahrrad und Auto schließen, mit den großen Velocars ist es möglich, mehrere Personen und/oder viel Gepäck zu transportieren. Das ist zwar auch mit großen Lastenfahrrädern und Rikschas möglich, große Velocars bieten aber zusätzlich Wetterschutz und kommen den Funktionen, die ein Auto zu bieten hat, schon ziemlich nahe. Durch die Unterstützung des Elektroantriebs ist es auch durchschnittlich starken Fahrern möglich, mit großen und schweren Fahrzeugen Geschwindigkeiten von 20 – 25 km/h zu erreichen, in den schnellen Fahrzeugklassen sind dann sogar 45 oder 120 km/h erreichbar. In Deutschland werden Elektroautos massiv gefördert, Velocars bekommen leider von diesem Geldregen wenig oder nichts ab.

Ich fahre neben meinem Velomobil „Alleweder“ auch einen Elektrokleinwagen, der verbraucht im Durchschnitt 17 kWh, nie weniger als 14 kWh. Große Velocars benötigen zwischen 1,5 und 7 kWh. Es lohnt sich also, Fahrzeuge leichter und effizienter zu konstruieren. Grüner Strom wird trotz aller Bemühungen in den nächsten Jahrzehnten ein knappes Gut bleiben. Eine echte Verkehrswende braucht Velocars und Velomobile.

Velocars, schmaler als ein Meter

Mit schmalen Velocars kann man die meisten Radwege noch gut benutzen. Das ist für vorsichtige Fahrer und Neueinsteiger ein großer Vorteil. Alle hier vorgestellten Fahrzeuge sind als Pedelecs zugelassen, die meisten haben Solarzellen auf den großen flachen Dächern. Ich beginne mit dem kleinsten Fahrzeug, das 2 Erwachsene transportieren kann.

Hopper

„Zwei von drei Deutschen fahren selten oder gar kein Fahrrad. Daher wurde der Hopper speziell für klassische Autofahrende entwickelt: Trocken von A nach B und Sitz, Lenkrad sowie Bedienkonzepte ähneln stark denen eines Autos.“
Dadurch, dass das sehr kleine Hinterrad unter der Karosserie positioniert ist, konnte auf sehr kleiner Fläche viel Platz für zwei Personen geschaffen werden. Mit nur zwei Metern Länge ist der Hopper kürzer als die meisten Velomobile für eine Person. Der Wendekreis beträgt nur zwei Meter. Mit dem kurzen Radstand ist der Hopper wohl nicht für hohe Geschwindigkeiten geeignet, das ist aber bei einer Höchstgeschwindigkeit von 25 km/h auch nicht geplant.
Der erste Prototyp ist fertig, den Hopper kann man noch in diesem Jahr vorbestellen, Produktionsstart für die erste Kleinserie soll 2022 sein. Über den Hopper gab es einen Artikel in der Autozeitung „Auto Motor Sport“ und in der Online-Fachzeitschrift Elektroauto-News.

Leiba Classic L

Aus der Leiba Cargo ist die Leiba Classic L geworden. Leiba bietet jetzt die verlängerte Version der Leiba Classic selbst an, die Leiba Cargo von Elmar Maier (Velomobiles.de) wird zurzeit nicht mehr angeboten. Leiba ist ein Velomobilhersteller, der 30 Jahre Erfahrung mit dem Bau von Velomobilen hat, man kann also von einem ausgereiften Fahrzeug ausgehen. Zum Einsteigen auf die hintere Sitzbank muss der Sitz jetzt kurz herausgenommen und dann wieder eingesetzt werden, Im Video auf der Webseite von Leiba geht das sehr schnell. Die seitliche Tür der Leiba Cargo gibt es nicht mehr. Die Leiba ist nur halb so schwer wie der Hopper. Auf der Ebene und bei kleinen Steigungen ist sie sicher häufiger ohne Motor zu fahren und damit sparsamer und sportlicher.

CityQ

Das CityQ wurde von dem gleichnamigen Unternehmen mit Sitz in Oslo, Norwegen entwickelt. Ein ehemaliger Verkehrsminister von Norwegen ist Mitglied der Entwicklergruppe. Das CityQ ist wie die meisten hier vorgestellten Fahrzeuge als Pedelec klassifiziert und mit vier 24”-Rädern ausgestattet. Zusätzlich zum Gast plus Fahrer gibt es rund 100 l Volumen für Gepäck, wovon 40 l abschließbar sind. Vgl. bei Velostrom.de.
Es gibt neben der Passenger- auch eine Frachtvariante. Es kann jetzt bestellt werden. Wenn man auf der Webseite von CityQ war, bekommt man jede Menge Werbung mit dem Angebot, einen Gutschein für 49 € zu kaufen: „Werden Sie CityQ-Botschafter mit Einladungen zu allen Einführungsveranstaltungen und Angeboten für Botschafter. Lassen Sie sich zum Testen, Mieten oder Kaufen in einer Stadt in Ihrer Nähe einladen – ab Ende 2021.“ Auf der Webseite konnte ich keinen angedachten Liefertermin finden.

Fair.be

Ein Forschungsteam der Westfälischen Hochschule ist seit Januar 2020 im Förderprogramm Start-up Transfer-NRW. Ein Prototyp ist fertig, eine Vorserie ist für 2022 geplant, die Serienproduktion soll 2023 beginnen. Der Prototyp ist allerdings mit 250 kg sehr schwer geworden. Auch eine 45 km/h-Version und eine Cabrio-Version ist geplant. Die wissenschaftliche Konzeptbeschreibung ist sehr ausführlich und geht auch auf die verkehrspolitische Bedeutung von Carbikes ein. In den Startlöchern steht auch ein französisches Projekt mit ähnlichen Maßen: www.midipile.eu

Velocars, breiter als ein Meter

Mit Fahrzeugen, die breiter als einen Meter sind, kann man auf den meisten Radwegen Probleme bekommen. Ich bin allerdings als Fahrgast mit einem 1,10 m breiten City Cruiser in der Innenstadt von Köln unterwegs gewesen, fast immer auf Fahrradwegen. Die Rikschafahrer haben viel Routine und bekommen, wie LKW-Fahrer schnell ein Gefühl für die Dimensionen ihres Fahrzeuges. Auch viele Traktoren fahren nur 25 km/h und benutzen öffentliche Straßen. Nach der neuen Gesetzgebung müssen Fahrräder mit einem Abstand von mindestens 1,50 m überholt werden. Mit diesem Abstand kann man auf normal breiten Straßen Fahrräder nur überholen, wenn es eine Lücke im Gegenverkehr gibt. Dann ist es egal, ob das Fahrrad 0,80 oder 1,30 m breit ist.
Rechtlich sieht es so aus: Cargobikes gelten bei folgenden Abmessungen und E-Antrieben rechtlich als Fahrräder und dürfen damit Radwege benutzen: max. Höhe 2,50 m | max. Länge 4 m | max. Breite 1 m bei Einspurern, 2 m bei Mehrspurern.

City-Cruizer

Der City-Cruizer ist seit mindestens 20 Jahren auf dem Markt. Er ist wohl das meistverkaufte Carbike, man sieht ihn in fast allen Großstädten Europas als Rikscha. Das hat natürlich den Vorteil, dass man ein ausgereiftes Produkt bekommt und dass es zahlreiche Service-Stationen gibt. Er ist das einzige Fahrzeug in dieser Aufzählung, in dem 3 Personen transportiert werden können. Mit 190 kg Gewicht Leergewicht und zwei Fahrgästen, kommt man schnell auf ein Gesamtgewicht von ca. 400 kg. Bergauf kann es dann auch mit 250 Watt Elektrounterstützung schwierig werden.

Kinner

Kinner ist ein wunderschönes Sociable-Velocar. Kinner bezeichnet es als „pedal-car“. Hier waren Ästheten und Träumer am Werk. So schön kann ein Velocar aussehen! Im Gegensatz zu den meisten Velocars können hier beide Personen mittreten. Das erlaubt relativ große Geschwindigkeiten auch ohne Motor. Mit Motor wird es eins der sparsamsten Velocars sein, wenn es mit zwei starken Fahrern besetzt ist. Die Auslegung ist eher sportlich, ich konnte auf der Homepage kein Dach als Zubehör finden. Wahrscheinlich arbeiten sie daran. Ich hoffe, dass es auch Schutzbleche über den frei laufenden Rädern geben wird.

Duo-Quest

Aus den aktuellen „Freitagsbericht“ auf www.liegfiets.net geht hervor, dass das Duo Quest in Kleinserie gebaut wird von Denez Bodennec in Zusammenarbeit mit Velomobile.bzh und mit vier 20 Zoll Rädern, Rohloff, angepasster Quattro-Velo-Hinterachse und Elektromotorunterstützung, die für einen 4×4 Antrieb sorgt. Hinten gibt’s eine abschließbare Luke mit Kindersitz.

Velomobiel.nl hatte noch vor 3 Jahren gesagt, es gäbe keinen Markt für ein zweisitziges Velomobil, die Flut von neuen Carbike-Entwicklungen scheint zu einer Meinungsänderung geführt zu haben. Vom Duo Quest wurden bereits einige wenige gebaut, das Fahrzeug ist also über den Prototypenstatus hinaus, laut Velomobil.nl kann man Ende 2022 eins bekommen, wenn man jetzt bestellt. Das Foto zeigt das DuoQuest beim EinStunden-Rennen, es ist wie das Kinner ein sehr sportliches zweisitziges Velomobil oder Velocar. Zu einem Dach als Zubehör macht Velomobil.nl keine Aussage.

Twike 5

Das Twike 5 ist eigentlich ein vollwertiges Elektroauto für zwei Personen, da es aber zwei Tretgeneratoren zur Stromerzeugung hat und deutlich sparsamer ist als Elektroautos der KFZ-Industrie, nehme ich es in die Liste der Carbikes auf.
Der WLTP-Verbrauch beträgt nur 6,9 kWh/100km. Twike gibt je nach Batterie-Variante zwischen 150 und 500 Kilometer je nach Akkukapazität. Im Vergleich mit den anderen Carbikes ist das Twike das schwerste Fahrzeug in meiner Übersicht, verglichen mit meinem Kleinwagen Renault Zoe wiegt es nur ein Drittel.

Mit einer Spitzengeschwindigkeit von 120 km/h ist das Twike autobahntauglich, damit ist es auch für weite Pendlerstrecken mit großem Autobahn-Anteil geeignet. Neuere Informationen zum Twike gibt es bei electrive.net.

Schwieriger Markt für Velocars

Zahlreiche Firmen, die an zweisitzigen Carbikes gearbeitet haben, gaben in den letzten Jahren wieder auf, z.B. die Entwickler des Mö aus Spanien. Elf aus den USA war insolvent, hat jetzt einen neuen Investor gefunden. Schaeffler hat zuerst die Entwicklung am Bioybrid in die Bio-Hybrid GmbH ausgelagert, die dann in Insolvenz ging. Der Milan 4.2 von Räderwerk wird nicht mehr angeboten. Das Twike 3 soll wohl nicht mehr gebaut werden, es gibt aber ca. 1.000 Fahrzeuge auf dem Markt, die nach Auslieferung des neuen Twike 5 wahrscheinlich in großer Zahl als Gebrauchtfahrzeuge angeboten werden.
Im nichteuropäischen Ausland gibt es noch einige weitere Entwicklungen, auf die ich hier nicht eingehe, da es keine Bezugsquelle in Europa gibt. Auch für einige der Fahrzeuge aus meiner Liste muss man die Angabe zu den Lieferzeiten als nicht ganz zuverlässig ansehen. Bei den meisten Firmen hat es in der Vergangenheit immer wieder Verzögerungen gegeben.

Lastenfahrräder mit Dach

Einige Hersteller entwickeln zunächst Lastenfahrräder mit Dach und planen später auf der gleichen Plattform eine Variante für den Personentransport. Lastenfahrräder haben zurzeit einen wesentlich größeren Markt als Velomobile und Velocars, mit Lastenrädern ist heute deutlich mehr Geld zu verdienen. Lastenräder mit Dach, die man heute schon in Deutschland kaufen kann und die in vergleichbar großen Stückzahlen gebaut werden, sind: CitcarOnoMovr.
Akkurad hat zwei Prototypen für das GallopE PeP fertig, die ab Mai Probe gefahren werden können. Nach der Frachtversion kommt später die Version für 2 Personen, auch bis 45 km/h. Auf den Ladeflächen kann man wie bei normalen Lastenrädern mehrere Kindersitze montieren, technisch auch einen Sitz für einen Erwachsenen. Es ist aber zu bedenken, dass es rechtliche Vorschriften für den Transport von Erwachsenen und Kindern auf Fahrrädern gibt. Seit 2020 erlaubt der Gesetzgeber unter bestimmten Voraussetzungen, auch Erwachsene zu transportieren, wenn das Fahrzeug darauf ausgelegt ist.

Velocars und Elektroleichtfahrzeuge

Je größer und schwerer die Velocars werden, desto mehr ähneln sie der nächsten Klasse von Elektroleichtfahrzeugen, die keinen Tretantrieb mehr haben, und damit nicht mehr zu den Velocars zählen. Weitgehend bekannt sind Twizzy (Renault), Microlino und E-Rocks (Opel), bestellt werden kann jetzt auch der neue Messerschmitt, der mit 195 kg Leergewicht das leichteste und sparsamste Fahrzeug dieser Gruppe ist. Mit einem Akkupack von nur 2,8 kWh soll er bis zu 80 km weit kommen, das entspricht einem Verbrauch von ca. 4 kWh/100 km. Bei Vollgas mit 90 km/h werden es sicherlich mehr sein.
Mein Kriterium für die Definition von Elektroleichtfahrzeugen wäre „leichter als die Last“, das ist beim Messerschmitt der Fall. Der große Vorteil von Velocars ist natürlich, dass man sich körperlich betätigt, fit bleibt und weniger friert.

Ist ein Velocar für mich geeignet?

Wer überlegt, sich ein Velocar anzuschaffen, sollte sich über sein persönliches Fahrprofil und seine Ansprüche im Klaren sein. Die wichtigste Frage ist: Welche Strecken fahre ich wie häufig, mit wieviel Personen oder Gepäck. Eine Liste über die regelmäßigen Wege ist sicherlich hilfreich. Gibt es seltene Anwendungen, die ein Velocar nicht erfüllt, kann man auch ein- oder zweimal im Jahr ein Auto mieten, Taxi fahren oder öffentliche Verkehrsmittel nutzen.

Die meisten Lastenfahrräder sind heute in Städten unterwegs. Das liegt vor allem an den geringen Geschwindigkeiten, die hier gefahren werden: Tempo 50, 30 oder weniger. Außerdem sind hier die Strecken meist kürzer als in ländlichen Gebieten. Mit einem langsamen, breiten Fahrzeug würde Ich nicht gerne weite Strecken auf viel befahrenen, schnellen Landstraßen fahren. Mit meinem 45-km/h-Alleweder fahre ich auf ruhigen Landstraßen sehr gerne. Wenn sich hinter mir Schlangen bilden, halte ich kurz an und lasse mich überholen. Mit einem 25-km/h-Fahrzeug würde ich mich hier nicht so wohl fühlen, da ich häufiger überholt würde. Eine Garage oder ein eigener Stellplatz sind sicher von Vorteil.

Über fast alle Velocars gibt es zahlreiche Informationen im Velomobilforum, Unterfaden Velocars. Eine Übersicht ist bei velocar.net zu finden.

TypHerstellerLandPer-sonenRäderMotor WattBreite cmGewicht kgSitz-anordnungGesch. km/hPreis** ab Lieferbar ab
HopperHopperD2325088120hinter257-8000Mitte 2023
Classic L LeibaD232508255hinter259300lieferbar
CityQCityQN242508570hinter258865bestellbar
Fair.beWestfälische HochschuleD24250 /
3000
85120hinter25/45k.A.Prototyp
KinnerKinnerFIN24 250105??neben251500001.04.2022
Duo QuestDenez Bodenec
Velomobiel.nl
F/NL2 425012545neben2512900lieferbar
City-CruiserBayk AGD3 3 250 110190neben209990lieferbar
Twike 5Fine MobileD23 45000155435neben12039900Mitte 2022
** ohne Gewähr, bei ausländischen Herstellern zzgl. Fracht