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Nordsee (Kurztrip mit dem Quest ans Meer)

Kurztrip mit dem Quest ans Meer

Eigentlich wollte ich ja schon am Donnerstag los, und am Freitag Abend in Lelystad bei der CycleVision sein, aber ich musste überraschend Freitag noch arbeiten, so das ich in aller Ruhe erst am Sonntag loskonnte. So ist es denn auch nur ein Kurztrip ans Meer geworden.

Technik und Vorbereitung:

Am Quest habe ich nur die Radabdeckungen abgemacht um besser mal die Luft kontrollieren zu können. ( was ich aber nie gemacht habe ).

Das meiste hatte ich schon Samstags gepackt. Das Packen beim Quest ist etwas anders als bei offenen Rädern. Es muss ja alles in die Karre passen, und nichts kann etwas überstehen, was beim Gepäckträger ja nicht so viel ausmacht. Also habe ich alles mehr oder weniger lose hinten rein geworfen. Der Ersatzreifen passt übrigens sehr schön vorne zwischen Rahmen und Deckel geklemmt, also hochkant zwischen die Beine. Wasser und Karten rechts und links vom Fahrer. Das Rad war zwar voll bis an Rand, aber (fast) alles gut im Zugriff.

Etwas Kopfzerbrechen hat mir nur das Regenverdeck bereitet. Da das Wetter sehr unbeständig war, wollte ich den Deckel immer schnell griffbereit haben, ohne umräumen zu müssen. Der Deckel ist aufgerollt in etwa so groß wie ein Zweimannzelt.
Ich habe dann die ganze Ecke rechts hinterm Sitz für den Deckel reserviert und in dem Deckel meine Lebensmittel deponiert. So ging’s ganz gut.

An Proviant hab ich drei Liter Wasser, Bananen , Äpfel , Müsli , Milch und Müsliriegel mitgenommen. Der erste Tourtag ist ja Sonntag, und ich wollte mich größtenteils selbst versorgen. Alles in allem wiegt das Quest jetzt gut 70 kg.

Sonntag, 10. Juni 2001

Sonntag morgens beim reichhaltigen Frühstück jagte dann bei 12° C ein Schauer das nächste. Als ich um 9:45 Uhr endlich loskomme, hat es grad mal aufgehört zu regnen. Der erste Teil der Strecke führt durchs Altenautal, und danach durchs Almetal . Da macht das hohe Gewicht natürlich nichts aus, es fährt sich gut wie immer. Das vollgepackte Quest ist auffallend leise. Noch vor Wewer muss ich schon die erste Pinkelpause machen und stelle fest, dass ich keine Batterien für meine kleine Digitalkamera mitgenommen habe. Weiter geht’s durch das flache Delbrücker Land und durch Hövelhof Richtung Senne. Trotz der flachen Strecke komme ich nur mit ungefähr 25km/h voran. Naja, ich will mich ja nicht quälen. Was etwas nervt ist, das ich erstaunlich oft pinkeln muss. Ab Hövelhof sinkt mein Tempo noch weiter ab, und ich fahre grad mal mit 20 km/h. Ich bin sogar ausgestiegen und hab geguckt, ob ein Rad platt ist oder schwer geht. Das Rätsel hat sich auf der Rückfahrt von allein gelöst. Es geht dort ständig aufwärts, obwohl ich dachte es währe flach. Das ist mir mit dem Quest übrigens häufiger passiert, das ich bei kleinen Steigungen meine das es flach währe. Wahrscheinlich trügt einfach die lange Nase den Blick. (?).

Um halb eins war ich in Oerlinghausen am Segelflugplatz, direkt am Fuße des Eggegebirges, das ich hier zu überqueren gedachte. Nach nur 53km fühlte ich mich schon etwas schlapp und hab eine Mittagspause eingelegt. Das Wetter hatte sich bis hierher gut gehalten, es war sogar ein wenig warm geworden. Nach einem riesen Apfel, einer Banane und einem Müsliriegel ging’s wieder weiter, direkt durch den Teutoburger Wald, über die für Fahrräder gesperrte Straße Richtung Leopoldshöhe. Die Steigung ging besser als erwartet, und auf der anderen Seite runter war super ! Geschwindigkeiten um 70 km/h über mehrere Kilometer auf gut ausgebauter Straße. Danach ab Leopoldshöhe über kleinere Kreis und Landstraßen durch das hügelige Gebiet bis Herford. Das war sehr schön zu fahren bei mittlerweile durchwachsenem Wetter.

Herford wollte ich eigentlich auf dem Ring umfahren, aber das ist für Fahrräder verboten. Also bin ich den Radwegweisern nach Löhne gefolgt. Völliger Mist ! Kleine, Trampelpfade mit Sperrpfosten in der Mitte sind nicht das optimale Terrain für das Quest. Naja, die Beschilderung war erträglich, und der größte Teil des Weges führte durch Randbesiedlung.

Noch in Herford fing es leicht an zu regnen, und ich hab am Ortsausgang das erste Mal den Regendeckel aufs Quest gemacht. Ich bin dann auf der B239 Richtung Espelkamp gefahren und wirklich fast jeder Autofahrer hat mich angehupt. In der Gegend scheint es fast ausschließlich zu schnelle Audi 80 mit zugeklebten hinteren Scheiben und genervten Fahrern zu geben. Und das im Regen. Ich bin dann um des lieben Friedens willen mal auf den Radweg gefahren, aber das ist in der Gegend unmöglich. Der Regen hörte zum Glück bald schon wieder auf und ich konnte etwas gelassener weiter fahren. ( natürlich auf der Strasse ).

Die Hügel ab Herford an Löhne vorbei waren recht anstrengend. Insgesamt steigt das Gelände da stetig zum Wiehengebirge an. Ab Kirchlängern hatte ich wieder den Effekt, das ich dachte es ist flach, es ging aber rauf. Ich bin wieder raus aus dem Quest hab die Reifen kontrolliert und mich gewundert. Ab Hüllhorst ging es dann ins Wiehengebirge, das deshalb Wiehengebirge heißt, weil es wie’n Gebirge aussieht. An der steilsten Stelle musste ich schon ein wenig schnaufen, und es fing auch noch feste an zu regnen. Oben angekommen hab ich dann erst mal ne Pause in einer Bushaltestelle gemacht und mir das Regenschauer mit einigen Müsliriegeln versüßt. Mittlerweile ist es auch schon halb vier, und ich hab das Gefühl nicht von der Stelle zu kommen. Nach 10min war der Regen vorbei und ich wieder bei Kräften. Die Abfahrt nach Lübbecke ist für das Quest schon zu steil zum genießen.

Ab Lübbecke wurden die Hügels wieder flacher, und ab Espelkamp nordwärts war die Strecke nur noch wellig, die Gegend schön und das Wetter gut.

Auf der B239 kam ich dann sehr gut voran, um die Ortschaften nur herum, bis Wagenfeld. Alles in allem schnell, aber etwas langweilig. In Wagenfeld wurde das Wetter auch wieder etwas schlechter. Es war sehr windig. Ich hab an einer Tankstelle erst mal Wasser nachgetankt und einen Mexikanischen Tako Keks gegessen. ( der das Geld nicht wert war )

Das Wetter wurde immer drohender, aber außer ein paar Tropfen war nichts. Ich hab nicht mal den Deckel zumachen müssen. Von Wagenfeld aus war es nicht mehr weit bis zum Campingplatz in Dönsel. Der liegt sehr schön still in einem kleinen Tal. Von der B214 ab musste ich noch ca. 5km über ganz kleine Straßen durch einen Kiefernwald und etwas Heidelandschaft nach Dönsel fahren. Um 17.40 Uhr war ich endlich da. Sehr schön. Der Campingplatz ist recht klein, und eher einfach ausgestattet. Und die Leute da sind total nett. Ich wurde beim auf den Platz fahren gleich von der Betreiberin begrüßt mit: „ hallo, wir grillen heute Abend, sollen wir Dir ne Wurst mit draufwerfen ?“ . Und danach kamen erst die üblichen Fragen nach dem Quest und so. Ich hab den feinsten Platz bekommen, mit Morgensonne, und da mein Zelt aufgeschlagen. Zum Abendbrot gab’s halt ne Grillwurst ( die erste seit Monaten ) und Bierchen.

Dönsel
Campingplatz Dönsel

Montag, 11. Juni 2001

Die Nacht war saukalt, ich hatte mich gar nicht auf Temperaturen unter 10° eingestellt. Aber morgens war schönes, klares Wetter. Zum Frühstück hatte ich noch Müsli und Milch und einen großen Apfel. Ein Holländisches Camper- Paar hat mich noch zum Frühstückstee eingeladen (suuper ) und war ganz überrascht, dass das Quest quasi direkt in Ihrer Nachbarschaft gebaut wird. Die wohnen in Nordholland, hatten aber noch nie so was gesehen. Der Tee und die Sonne wärmten mich ruckzuck wieder auf, und das Gepäck war schnell verstaut. Ein großer Vorteil vom Quest auf Reisen ist, dass man sein Gepäck einfach einpackt, was recht schnell geht. Gegen 9:30 Uhr bin ich dann weiter Richtung norden. Erfreulicherweise war das Quest genauso bequem wie am ersten Tag. Keinerlei Beschwerden oder ähnliches. Die erste Zeit bin ich über wirklich kleine Straßen durch die sehr schöne, ruhige Landschaft gefahren. Kein einziges Auto aber jede Menge Kaninchen und Vögel hab ich getroffen. Hatte ich gar nicht erwartet. Die Straßen sind allerdings grottenschlecht. Zum Teil besteht die Fahrbahn aus so einer Art hochkant gestellter Klinker, zum Teil ist der Straßenbelag von Baumwurzeln total aufgeworfen. Ich kam kaum vorwärts. Nach einigen Kilometern fiel mir ein unangenehmes Geräusch auf, was immer auftrat, wenn ich die Kette auf dem zweit,- oder drittgrößten Ritzel fuhr. Ich hab zweimal angehalten und die Ursache gesucht, aber trotzdem ich teilweise sogar meine Sachen ausgepackt habe, hab ich die Ursache nicht gefunden.
Ab Barnstorf bin ich dann über die Landstraße nach Goldenstedt gefahren. Die Gegend gefällt mir sehr gut. Kleine Hügel mit Kiefernwäldchen, ruhige Straßen mit wenig Autos. Bestes Wetter. Liegerherz was willst du mehr ?
In Goldenstedt hab ich im Schlecker Müsliriegel und Batterien für die kleine Digitalkamera gekauft. Das Quest wurde bestaunt wie ein UFO. Es ist auch gar kein Problem, es mal vor dem Laden stehen zu lassen. Leider wird das Wetter wieder etwas Wolkiger und kälter. Ich bin weiter über Visbek und Alhorn durch die Wildeshauser Geest und die Alhorner Heide. Ich wusste gar nicht, dass die Gegend so hügelig ist. ( Hamborger Berge ). Kleine Wäldchen und Heide wechseln sich ab, und die Straßen sind gut und nicht so stark befahren. In den Waldstücken stehen teilweise verlassene Ölförderpumpen. Von Ahlhorn dann weiter nach Wardenburg. Das Wetter hielt sich, und das Quest schnurrte wie eine Katze, nur dieses merkwürdige Geräusch auf den großen Ritzeln war noch störend.Der Schnitt blieb allerdings bei < 24 km/h.
Nach Wardenburg wurde das Wetter immer schlechter. Zusätzlich wurde ich auch immer schlapper. Kurz vor Achternmeer, so um halb zwei, setzte Strömender Regen ein, und ich hab erst mal in einer Bushaltestelle eine Mittagspause eingelegt. Mir war saukalt in meinem kurzen Leibchen. Nach einem Apfel und ein paar Müsliriegeln mit Wasser war das Schauer vorüber und ich bin gestärkt weiter. Etwas westlich von Oldenburg hab ich den Küstenkanal überquert und bin über wirklich übelste Wege durch so eine Art Moor nach Wildenloh, wo auch die Sonne mal wieder rauskam. Nach Wildenloh gabs mal was neues: auf ca. 500m fehlte die Straßendecke. Und da war nicht fester Lehm oder Schotter oder Splitt. Nein, feinster, weißer Sand! Nach 10m steckte das Quest fest, und ich musste es laut fluchend das restliche Stück ziehen/schieben. Das ist beim vollbeladenen Quest nicht so leicht, weil es niedrig ist, man nirgends richtig fassen kann und die schmalen Reifen sich gnadenlos eingraben.
Danach ging’s ganz gut über kleinere Strassen nach Wiefelstede. Die Landschaft wurde schon viel flacher und besteht überwiegend aus Wiese. In Wiefelstede hab ich eine kleine Pause eingelegt, um Geld abzuholen. Sofort war mein Quest umringt von einigen älteren Herren, die mir total unverständliches Platt kürten. Eine recht witzige Situation, ein jüngerer Herr (so ca. 50 ) hat mich auf Hochdeutsch zu dem Rad ausgefragt, und das dann mit den anderen auf Platt durchdiskutiert. Ich kam mir vor wie von einem anderen Planeten, oder wie aus einer Zeitmaschine geklettert, mit meinen bunten Lycra Klamotten zwischen dem ganzen Breitkord :-).

Durchs Ammerland an Bockhorn vorbei fand ich es nicht so besonders. Eher flach und langweilig. Ab Sande wurde meine Laune und das Wetter wieder deutlich besser, weil man da das Meer schon riechen konnte. Echt, Autofahrer kriegen so was wahrscheinlich gar nicht mit.

Leider musste ich, um nach Hooksiel zum Campingplatz zu kommen direkt an Wilhelmshaven vorbei, bzw. durch. Für Radfahrer und vor allem Velomobielfahrer eine Scheißstadt. Die Wegweiser für die Automobile führen alle über Kraftfahrstrassen oder die Autobahn, die Wegweiser für Radfahrer führten über Wege, die ich vielleicht mit festem Schuhwerk mal wandern möchte, aber bestimmt nicht mit dem Quest fahren kann. Auf den überbleibenden Strassen wurde ich fast permanent angehupt oder angemault. Ich bin dann im Zickzack über und unter der Autobahn und Kraftfahrstrasse durch irgendwie nach Voslap, wobei ich mich einige Male verfahren habe. Der letzte Teil der Strecke ab Voslap war toll! Viel Wind, dicke Wolken kamen auf, und die Straße geht schnurgrade direkt am Meer entlang, was man auch sehen kann, weil sie zum Teil oben am Deich langführt.

Um 18:40 war ich endlich auf dem Campingplatz in Hooksiel, der genau das Gegenteil von dem in Dönsel ist. Groß, modern und fast nur von Dauercampern mit riesigen Wohnwagen bevölkert, die aller schön grade und akkurat aufgereiht sind. Ich hab ein Windgeschütztes Plätzchen zwischen zwei leerstehenden Wohnwagen ausgesucht, was angesichts des aufkommenden eiskalten Windes eine gute Idee war. Beim Auspacken löste sich auch das Rätsel mit dem komischen Geräusch: meine Flasche mit Sonnencreme war unter den Sitz gerutscht und von der Kette zersägt worden. Lubmatic für arme, mit weißer Kettenschmiere. Zum Abend habe ich mir dann einen Nudelauflauf gegönnt, der nach 7 Stunden und 18min reiner Fahrzeit richtig lecker war.

Hooksiel
Campingplatz Hooksiel

Dienstag, 12. Juni 2001

Ruhetag am Meer. Kaltes Regenwetter am Vormittag, am Nachmittag so lala. Nix mit baden und so. Ich bin einmal mit dem Quest am Strand lang zum Hafen. Als ich wieder am Zelt angekommen war, war es draußen so kalt, und im Quest so schön warm und bequem ( nach zwei Tagen dauerfahren immer noch toll ) Ich hab kurz die Augen zugemacht und dem Meer zugehört und bin tatsächlich erst anderthalb Stunden später wieder aufgewacht. So bequem ist das Quest.

Mittwoch, 13. Juni 2001

Ein warmer, windstiller Morgen. Fast verlockend, um doch noch einen Tag zu bleiben. Zum Frühstück mit Brötchen und Milch ( ich freu mich schon auf den ersten Kaffe ) eine kleine Planung: Bis Leer kann ich an einem Tag kommen, kein Problem. Von Leer zurück nach Paderborn brauch ich allerdings zwei Tage. Sonntag möchte ich mich etwas durchsortieren, Montag muss ich wieder arbeiten. Also Freitag & Samstag fahren. Bleibt für Leer nur Donnerstag, und da ist noch nichts los. Das lohnte ja wohl nicht, also bin ich 9:30 wieder heimwärts gestartet. Ich bin auf der Strecke zurück, die ich gekommen bin. Normalerweise liebe ich zwar eher die Abwechslung, aber solche Straßen sehen oft in unterschiedlichen Richtungen ganz anders aus.

Diesmal bin ich viel besser um Wilhelmshaven gekommen. Das Quest läuft super in dieser flachen Gegend, Wind spielt kaum eine Rolle. Bis Wiefelstede bin ich in einem Rutsch durchgefahren und hab da im Aldi 3 Liter Wasser, 2 Tüten Milch eine Schachtel Müsliriegel und noch Buttermilch gebunkert. Mann wird ja doch merkwürdig angesehen, auch von Tourenradlern, wenn man mit dem Einkaufswagen neben das Quest fährt und einfach alles hinten rein wirft. Ein alter Mann sprach mich auf das Quest an, ( auf Holländisch, wegen der Aufschrift Velomobiel NL :-) ) Der meinte, daß ich jetzt ja noch Aufsehen erregen würde, aber das wäre bei den ersten Autos auch so gewesen. Bald würden wohl alle so was fahren. Echt modern gedacht, der Herr. Gegen 13:00 am Rand von Wiefelstede wieder ne Pause mit Müsliriegeln. Ich find die total praktisch auf Reisen. Lassen sich gut transportieren, und sind recht nahrhaft. ( trotzdem hätte ich Lust auf ne Pizza gehabt ). Es bewölkte sich wieder, blieb aber recht warm mit 19°. Dann weiter bis Sage. Auch um Oldenburg bin ich diesmal viel besser gekommen, als auf dem Hinweg. In Sage hatte ich eine richtige Schlappfase. Nach einer Pause mit etlichen Müsliriegeln geht’s viel besser weiter. Es ist doch wichtig, immer genug zu futtern. Danach bin ich mit viel Spaß durch die Ahlhorner Heide.
Von Ahlhorn über Visbek hatte ich die ganze Zeit über Hunger, aber das Rad lief so schön, da habe ich es nicht übers Herz gebracht eine Pause zu machen. Merkwürdiger weise hatte ich wieder diesen Effekt, das ich nicht genau weis, ob es rauf oder runter geht. Ich wundere mich manchmal nur, wie lahm ich bin. In Wulsen habe ich noch Milch und Brötchen fürs Frühstück gebunkert und bin weitergefahren, jetzt immer auf der Suchen nach einem Imbiss. Kurz vor Dönsel hab ich dann eine Rollschuhfahrerin nach einer Pizzeria oder Frittenbude gefragt, aber die hat nur gelacht und gesagt, das der einzige Imbiss in Barver ist. Ich hab den Umweg von gut 20km in Kauf genommen, man kann doch nicht nur von Müsliriegeln leben. Danach hab ich mich mit vollem Bauch zum Campingplatz geschleppt. Die haben sich da richtig gefreut, das ich schon wieder da bin.

Donnerstag, 14. Juni 2001

Es war wieder ein schöner, sonniger Morgen. Nach einem Frühstück mit Brötchen und Müsliriegel ( was auch sonst ) bin ich gegen 9:20 los. Relativ ruhig und unspektakulär ging die Fahrt über die B239 bis Lübbecke. Ab und an mal ne Pause, ansonsten einfach rollen. Schön entspannend bei dem warmen Wetter, wenn auch die Strecke etwas langweilig ist. Bei einem Tempo von etwas über 20 km/h in der Ebenen liegt man im Quest einfach rum, und dreht ab und an mal die Kurbel rum. Es fährt wie von alleine :-)
Schon vor Lübbecke konnte ich das Wiehengebirge aus dem mittlerweile etwas schwülem Dunst auftauchen sehen. Nach so viel Flachland richtig malerisch. Allerdings ist es mittlerweile ziemlich heiß geworden. Der Anstieg von der Barre Brauerei zur Kahlen Warte hoch waren dann auch die anstrengensten Kilometer der Tour. Es hätte nicht steiler sein dürfen. Oben angekommen, war ich total überhitzt. Die lange und schnelle Abfahrt nach Kirchlängern hat mal grade gereicht, um mich etwas zu erholen. Die Hügellei bis Herford waren ganz angenehm, bei dem schönen Wetter. Leider wieder viel zu viele Autofahrer mit zu hohem Tempo unterwegs. In Herford mag man scheinbar wirklich keine Radfahrer. Die Strecke kaum Ausgeschildert, und teilweise auf der linken Seite einer Schnellstraße auf einem viel zu schmalen Holperradweg lang. Ich habe mich auch erst mal kräftig verfahren, weil ich nicht durch die Innenstadt und nicht über die Radwege wollte. Das hab ich aber erst gemerkt, als ich mich mit einer zufällig in die gleiche Richtung fahrenden Mountainbikerin unterhalte, und Sie sagt dass Sie ins Wiehengebirge fährt. :-( Also wieder zurück, und mit schwindendem Wasservorrat und bei dicker und dunkler werdender Bewölkung weiter nach Leopoldhöhe.
Auf dem Weg durchs Lipperland wurde es immer schwüler, und das Wasser war ganz alle. Wenn schon mal ne Tanke am Weg war, dann so ungünstig an einer Abfahrt gelegen, daß ich auch nicht anhalten wollte. Ich hatte ab Herford so ein komisches Gefühl am rechten Fuß, so als ob da was nicht richtig fest war. Bei weiterer Fahrt merkte ich, das sich der Schuh etwas auf der Schuhplatte verdrehte, bei starkem treten. Naja, soll wohl halten. Ich mag auch nicht mehr so richtig, Durst ist schlimmer als Heimweh. In Leopoldshöhe war endlich eine Tankstelle, Ideal gelegen, direkt am Anfang des Anstiegs zum Eggegebirge. Ich war ziemlich kaputt, und hatte eigentlich richtig ein bisschen Furcht vor der Egge. Beim Versuch, an der Tanke auszusteigen konnte ich den rechten Schuh nicht mehr ausklicken. Die Schuhplatte hatte sich zu weit gelöst. ( ich hab die Klickpedale sehr fest eingestellt, normal beim Dreirad kein Problem ) Unvorteilhafterweise war mein Werkzeug, ein Toppeek Allien in einem Wanderschuh, den ich ganz hinten am Ende des Heckbürzels unter den ganzen Klamotten verstaut hatte. Die an der Tanke rudelweise versammelten Rennradler haben nicht schlecht gestaunt, als ich das ganze Gelumpe so nach und nach aus der Karre gekramt hab und dann mit dem Kopf zuerst im Rad verschwunden bin, um meinen Schuh auszubauen.
Danach hab ich mir erst mal zwei Flaschen Gatorade geleistet und noch Wasser gebunkert. Die Fahrt durch die Egge klappte besser als gedacht. Die ( allerdings für Radfahrer gesperrte ) Straße nach Oerlinghausen ist gar nicht so steil, nur lang. Ab Oerlinghausen geht’s bis nach Sande am Lippesee fast nur bergab. Jetzt wurde mir auch klar, warum ich mir auf dem Hinweg so lahm vorkam. Am Lippesee noch ne Pause, in der ich wie übrigens auch bei den Pausen vorher viel zu dem Rad gefragt wurde, und die letzten 30km nach Hause durchs schöne Altenautal.
Um 17:30 zu Hause angekommen, bin ich aus dem Quest sofort auf ein Rennrad geklettert und einmal um Husen gefahren. Das ist total witzig, wenn man plötzlich 24kg weniger Rad und fast 40kg weniger Gepäck zu fahren hat :-)

Fazit:

Mit dem Quest kann man sehr bequem und schnell längere Touren fahren. Es ist super dazu geeignet, um damit in Urlaub zu fahren. Ich bin uneingeschränkt damit zufrieden. Der Wetterschutz ist gut, und auch bei recht warmen Wetter ist das Fahren angenehm. Nur bei starken Steigungen über längere Zeit ist die Entfaltung noch zu lang. Sehr angenehm ist, dass das Gepäck immer geschützt und trocken transportiert wird, und man mal eben nach Karte oder Wasserflasche greifen kann.

Solch lange Etappen über meist größere Straßen, bei denen man 6 Stunden und mehr am Tag fährt, sind allerdings etwas langweilig. Ich denke das es mehr Spaß macht, kürzere Etappen zu fahren und sich mehr Zeit zu nehmen sich die Gegend anzusehen.

Bildergalerie

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