Human Powered Vehicles e.V.

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Bayerischer Wald

Himmelfahrtstour 2002

Prolog

Wieder war es mal soweit, Himmelfahrt stand an und die schöne Sitte einer Radtour sollte fortgesetzt werden. Allerdings war die Zahl der Teilnehmer stark geschrumpft. Nur Kurt, Dietrich und ich hatten noch Zeit. In einer abendlichen Telefonkonferenz beschlossen Kurt und ich, daß wir die Gelegenheit der Kinderfreiheit nutzen sollten, um mal wieder in die Berge zu fahren. Wo waren wir noch nicht? Bayrischer Wald! Also hin; praktisch war, daß die Familie Wünsche-Opitz inzwischen nach Regen gezogen und bereit war, uns Quartier zu geben. Also war alles klar und wir konnten buchen. Für die Hinfahrt war es kein Problem, Fahrradreservierungen zu bekommen, aber schon 2 Wochen vor Termin war die Rückreise am Sonntag ausgebucht. Kurt nahm Urlaub und ich übte das Zerlegen meines Rades. Dietrich wählte das Auto.

Die Anreise

Mi 8. 5.
Alles gepackt und das Rad stand bei herrlichem Wetter im Garten bereit. Als Veronika um 17 Uhr von der Arbeit kam und Irene übernahm, rollte ich ab. Gemütlich zum Bahnhof HG, ich erwischte die S-Bahn 17.28 (eine früher als geplant), aber das half nichts, denn auch wenn ich früher da war, der Zug kam später. Wegen der Erdrutsche bei St. Goar hatten alle Rheinzüge Verspätung. Meiner 20 Minuten. Als er dann einrollte, begrüßte mich Kurt schon am Einstieg, wir hatten die Fahrradplätze direkt nebeneinander und im Wagen war genug Platz, daß wir uns zusammensetzen konnten. Zusätzlich zur Verspätung heizte die Bahn die Stimmung an, indem sie im Wagen für tropische Temperaturen sorgte, denn die Klimaanlage war ausgefallen und die Fenster zu.
Bis Plattling hatte der Zug wenigstens wieder etwas aufgeholt und die Waldbahn wartete, so daß dieser Anschlss prima klappte. Rainers Anfahrbeschreibung war auch prima (zusammengefaßt lautete sie: Erst runter zum Fluß und dann immer bergauf!). Gegen Mitternacht waren wir da. Als wir die Räder in die Garage stellten, kam auch Dietrich an, alle Autobahnen waren voll gewesen.

Zum Tagesausklang beratschlagten wir noch beim Bier, wohin die erste Tour gehen sollte. Da Christine Lea mitgenommen hatte, hatte Rainer auch Zeit mitzufahren. Wir wollten erstmal einen friedlichen Start, nicht zu weit und nicht zu hoch. Nach längerer Meditation über der Fahrradkarte beschlossen wir via Zwiesel auf dem Regenthalradweg in den Nationalpark zu fahren und dann vor Ort weiter zu sehen.

Einmal Nationalpark und zurück

1. Tag. Himmelfaht 9.5.
Und erstmal ausschlafen, aber im Gegensatz zu den beiden Junggesellen konnten Rainer und ich nicht so lange die Augen geschlossen halten, um 8 waren wir wach, (Kinder beeinflussen einen sogar, wenn sie nicht da sind). So saßen wir erstmal auf der Terrasse und genossen den sonnigen Morgen und die Aussicht.
Um 9 haben wir dann alle gefrühstückt und Brote geschmiert. Um 10 hätte es losgehen können, wenn Rainer nicht völlig abgefahrene Bremsbeläge gehabt hätte. Seinen Ersatz fand er nicht mehr und so haben wir schließlich Christines Rad geplündert. Um 11 kamen wir dann wirklich los.

Zuerst ging es auf dem Regentaltadweg nach Zwiesel. Gleich am Ortseingang ist ein Nationalparkinfotempel, da haben wir noch eine Radwanderkarte erworben und ein paar Werbekarten eingesackt. Dann durch den Ort, an der Glashütte vorbei und hoch auf dem Panoramaradweg wieder raus (Wanderzeichen Hacke). Panorama gab es aber nicht nur dort, ständig hat man weite Ausblicke über blühende Wiesen auf Berge in der Ferne. Hier in der Höhe sind die Wiesen noch gelb von Löwenzahn. Bei Unterzwieselau verlassen wir den Weg und wechseln auf die Straße und den Radweg 1.
Unterwegs hatte man immer wieder auch einen Blick auf den großen Arber, auf dem sgar noch Schnee liegt (ein velockender Anblick). Bei Pochermühle schwenkt der Weg in den Wald und führt zum Trinkwasserspeicher von Frauenau (Schild 3,5km). So im Wald (hier vor allem Fichten) kommt ein Gefühl wie im Harz auf. Zunächst asphaltiert und mit leichtem Gefälle wird der Weg aber bald schlechter und steigt steiler an. Obwohl in der Karte als leicht und familiengeeignet bzeichnet, kreuzt er bald senkrecht so viel Höhenlinien, daß Kurt die kleinen Gänge ausgehen und wir alle arg zu klettern haben. Wir sehen dann auch eine Familie, die sich damit müht, ihre Kinder die Steigung raufzumotivieren. Aber bald ist es geschafft, und an der Talsperre ist es sehr schön. Mit einer Mauerhöhe von 85m ist sie die Höchste der Bundesrepublik.

An einem kleinen Zufluß füllen wir unsere Flaschen auf und machen dann nach 25 km gegen 14 Uhr am Ende der Sperre auf einer Wiese unter blühenden Bäumen Rast. Nun ist erstmal Pause. Zunächst regiert die Schlaffheit, aber als das Essen ausgepackt ist, kommt nochmal Leben in die müden Knochen. Dann aber sinken sie endgültig um.
Danach machen wir die Umrundung komplett. Wieder auf der Mauer sehen wir, daß die Sperre sogar überläuft.

Überlauf
überlaufende Talsperre

Weiter geht es auf dem Radweg 5, der über Gut Oberfrauenau mit schönen Ausblicken in die Ferne und weiter den Spiegelweg wieder in den (Buchen) Wald führt.

Weite
Aussicht bei Gut Oberfrauenau

Nächstes Ziel ist Bahnhof Klingenbrunn. Hier geht wieder ein Stück auf der Straße weiter um den Althütter Forst und Althütte herum und vor Klingenbrunn wieder in den Wald. Wie schon an der Talsperre ist auch hier der Wald ein interessanter Anblick, Laubbäume und am Boden liegen große Felsbrocken. Dann wird eine gefährliche Abfahrt ausgeschildert. Die ist aber nur steil (67,7 km/h) und hat halt eine Kurve am Ende.
Am Ende der Abfahrt an einer Wegekreuzung machen wir nochmal Rast. Hier sehe ich beim Tee, daß sich mein Lampenhalter wieder mal zerrappelt hat. Ich kann die Lampe aber provisorisch wieder anschrauben. Als Ausgleich finde ich ein Stück Rosenquarz im Wald.

Beim Weiterfahren auf dem mittlerweile durch viele grobe Steine eher als gefährlich anzusehenden Weg sehen wir, daß wir inzwischen auch wieder auf dem Wanderweg mit der Hacke sind und bald rollen wir aus dem Wald heraus. Warme Luft schlägt uns entgegen und wir müssen nur noch auf Dietrch warten, dem bei der holperigen Abfahrt sein Rucksack vom Gepäckträger gesprungen war.
Über Bärenzell rollen wir wieder nach Zwiesel und erreichen den Ort wieder beim Nationalparkhaus. Hier schwenken wir zurück auf den Regenthalradweg und fahren heim nach Regen. Diesmal folgen wir dem Weg richtig und fahren nicht auf der Straße nach Regen rein, sondern auf der anderen Flußseite hinter dem Regener See. Dabei kann der Radweg nochmal seine Qualitäten voll ausspielen, denn im Gegensatz zur Straße geht es hier am Hang ständig hoch und runter, einmal sogar sehr schön steil aspaltiert bergab mit einer geschotterten scharfen Kurve am unteren Ende, und wer die nicht kriegt landet im See. Ein echter Radweg halt. In Regen halten wir erstmal am Eiscafé Venezia, wo wir uns sehr kunstvolle Eisbecher gönnen. Danach durch den Kurpark mit interessanten Kunstwerken nach Hause nach Bärdorf hinauf. Mit 66 km endet um 19.50 Uhr unsere erste Tour.
Nach dem Abendessen, das Rainer für uns gezaubert hat, gelingt es Kurt sogar, die hiesige Gitarre zu stimmen und wir haben dann noch einen muikalischen "Hütten"abend.

Der Berg ruft

2. Tag, Fr. 10. 5.
Um 9 waren wieder alle wach, auch die Sonne lacht wieder, es sieht imer noch nicht nach Regen aus. Prima, denn heute soll es auf den großen Arber gehen. Nach Frühstück und Stullen schmieren gings los, diesmal ohne Rainer, er hatte noch andere Termine und wollte außerdem seine Knie schonen.
Das Wetter war nicht ganz so warm und inzwischen leicht bedeckt. Wir kamen um 10.50 los und fuhren oben aus Bärendorf raus. Schnell nochmal die Berge mit der Karte vergleichen, ob auch die Richtung stimmt; Ja, OK weiter.

In flotter Abfahrt nach Neusohl runter und dann aufpassen, daß man nicht an der Abzweigung nach Schöneck vorbeirauscht. In Schöneck begannen wir dann den Einstieg in den Radweg 34, der uns Richtung Bodenmais bringen soll.
Die Einstiegssteigung im Ort geht gleich hart ran, aber dann im Wald wurde es erstmal friedlicher. Aber kurz hinter einer Fahrradleiche kam dann die Teststrecke. Oder sollte man sagen IDEAL-Standard-Brüche, weil hier halbe Kloschüsseln und Kacheln lagen?
Der Waldweg wurde jedenfalls wieder steil und war mit grobem Bauschutt überhäuft, ausgebessert kann man dazu jedenfalls nicht sagen. Als wir das Niveau der Bundesstraße erreichen, verlassen wir jedenfalls eilends den "Weg" wieder und fuhren auf der Bundestraße das letzte Stück nach Bodenmais.

An der Abzweigung Bodenmais zweigten wir gleich nach rechts ab, überquerten die Bahnlinie am Haltepunkt Böhmhof und fuhren erstmal auf dem Radweg 30 in den Wald. Es begann leicht zu tröpfeln und wir versuchten den Antiregenzauber durch anlegen der Regenjacken; es half. Die Steigung war leicht und der Weg gut (von 690müNN), wir kamen flott voran. Irgendwann bog der Weg dann nach links ab (bis 790müNN) und wurde steil. (Hier scheint die Wegführung geändert worden zu sein, denn an diesem Abzweig hatten wir gedacht, den Weg verlassen zu müssen). Nun wurde es heftig, wir mußten immer weiter runterschalten, an der Spitzkehre brauchte ich sogar meinen kleinsten Gang, Entfaltung 70cm.

Dafür kamen wir auch rasch auf 900müNN und erreichten die Arberseestraße an einem Parkplatz. Ihr folgten wir ein kleines Stück aufwärts zur Arberhochstraße, alter Ashalt, für Schlittenhunde gesperrt, aber von Fischkisten gesäumt.

Wir verlassen die Arberhochstraße, als die Auerhahnstraße abzweigt, da uns das Höhenprofil sinnvoller erscheint. Sie steigt zunächst sanft weiter an, während die Arberhochstraße eine Weile eben bis sanft abwärts verläuft.
Dann kommt ein knackiger Anstieg auf eine Ebene höher und da wechselt der Mischwald langsam in Nadelwald. Manchmal mit toten Bereichen wie am Acker-Bruchberg im Harz.
Die Landschaft ist sehr idyllisch und wasserreich. Woher das Wasser kommt, sehen wir gleich, denn am Wegesrand liegt der erste Schnee. Das hätte eine Warnung sein können, denn leider bleibt es nicht nur beim Rand, bald schon versperren immer wieder breite Schneefelder den Weg.

Schnee
verschneite Wege

Für mich besonders unangnehm, da ich in Sandalen unterwegs war und sehr schnell eiskalte Füße bekam. Zum Glück steckten die Socken in den Packtaschen, so daß die wenigstens trocken blieben. Aber auch wenn die Füße nicht versackten, unsere Räder taten es, manchmal bis zur Nabe. Um die Freude perfekt zu machen, begann es zu grummeln und die ersten Tropfen fielen. Wir hüllten uns in unser Regenzeug und dann begann es auch schon. War uns der Regen noch egal, trieb uns heftiger Hagel in Deckung in den Wald. Laut Karte hätte in der Nähe eine Schutzhütte sein sollen, aber da schon mehrere Hütten nicht da waren, wo sie eingezeichnet waren, suchten wir nicht, sondern standen unter den Bäumen und tranken Tee. Als der Hagel vorbei war und der Regen nachließ, zogen wir weiter. Nach 50 Metern ereichtren wir dann die Hütte. Es war zwar nur eine etwas besser überdachte Bank, aber es reichte zum trocken Sitzen. Hier hielten wir dann Brotzeit, bis wir richtig kalt waren. Nach längeren Beratungen beschlossen wir, den Gipfel trotz allem anzugehen. Mittlerweile hatte der Regen fast aufgehört, als wir uns in die nächsten Schneefelder stürzten. Als wir schließlich die Arberhochstraße wieder erreichten (sie vereinigt sich irgendwann wieder mit dem Auerhahnweg), hatte ich kein Gefühl mehr in den Zehen und Kurt hatte Schaltprobleme mit dem Sommeröl in seiner eisgekühlten Nabe. Aber da der Regen aufhörte und die Straße geräumt war (leider nicht mehr asphaltiert), waren wir guten Mutes, zogen die Regenjacken aus und begannen den Aufstieg. Ab hier steigt die Straße recht steil, aber sehr gleichmäßig an. Kurt mußte mangels kleiner Gänge schieben, aber Dietrich und ich kurbelten fröhlich hoch und bald war uns auch wieder warm. Nach einer Kehre kam dann schon der Gipfel in Sicht, er erhebt sich als Felsblock über den Wald. Noch eine Kurve, dann war man bei der Radarkuppeln, hier wurde es erstmal eben. Hier stellte ich den Sitz steil, um mehr Last aufs Vorderrad zu kriegen und stürmte mit Dietrich zusammen den Gipfel; die Begeisterung, es geschafft zu haben, half uns die letzte Steigung hoch. Trotz langer Strecken mit 3,4km/h hatten wir immer noch einen Schnitt von 9 km/h als wir nach 25 km den Gipfel erreichten. Bald kam auch Kurt nach und bei einem Gipfeltee genossen wir die fantastische Aussicht. Ein paar Wolkenfetzen hingen in den Tälern und wirkten sehr malerisch.

Arberaussicht
Blick vom Arber

Während wir noch so am Gipfelkreuz standen, kam ein Wanderer den Gipfel von der anderen Seite hoch und hatte dabei sein Handy am Ohr und telefonierte die ganze Zeit. Bald folgte dann auch seine Familie nach. Nach Frage zu unseren Rädern und einem Gipfelfoto machten sich die 4 Schwaben wieder davon. Wir brachen dann auch bald auf. Infolge von Nässe, Splitt und Kurven fuhren wir sehr langsam. Bald hatte die Schleifpaste von meinen alten hinteren Bremsklötzen nichts mehr übrig glassen, so daß die gesamte Bremsarbeit über mein Vorderad ging. Und dann rief ich auch schon: Havarieee, denn vorn war die Luft raus. Vermutlich Temperaturschaden, denn auch nach einiger Zeit war die Felge immer noch brüllend heiß. Der entnommene Schauch zeigte jedoch kein Loch, so daß ich alles wieder zuammenbaute und weiter fuhr. Bis zum nächsten Oientierungsstop, als wir weiter wollten, war das Rad vorn wieder platt. Da beim Testpumpen das Ventil nicht mehr ventilte, haben wir Schlauch und Ventil gewechselt. Dann sind wir zum Glück nicht der Versuchung unterlegen, sofort die erste Asphaltstraße abwärts zu nehmen und folgten den Wegweisern, erst nach Bodenmais, dann abbiegen auf Weg 30e, nicht weiter nach Bodenmais, sondern über die Arberhochstraße gemütlich wieder zur Bundesstraße zurückgerollt. Die sind wir dann runtergezischt (73 km/h) und haben nebenbei auf der Ortsumgehung von Bodenmais noch eine schöne Aussicht auf den Ort genossen. Wir verzichteten nun weise auf die Federteststrecke und fuhren weiter Straße über Langdorf nach Regen zurück. Ankunft um 19.15. nach 49,4 km mit einem nun 11,7 km/h Schnitt.

Während Rainer zum Karate ging, gingen wir in die Pizzeria. Sehr angenehm, noch draußen zu sitzen und den Enten auf dem Regen zuzusehen und sich den Bauch zu füllen. Den Abend beschlossen wir, indem wir Rainers neue Weißbiergläser einweihten.

Zur Entspannung an die Donau

Samstag, 11.5.
Heute sollte es entspannt nur begab gehen, um Mensch und Material eine Ruhepause zu gönnen. Da Rainers Arbeitgeber auch auf dessen Dienste verzichtete, war er wieder mit dabei.
In flotter Abfahrt gings aus Regen raus und weiter nach Rohrbach. Schön waren die Aussichten auf die Berge und den Viadukt der Waldbahn.
Weiter ging es dann zum Bahnhof Triefenried (mit Natursteingebäude und mechanischem Stellwerk), wo wir versuchten, den laut Karte an der Bahn lang führenden Weg zu fahren. Der versickerte aber im Wald und führte schließlich hinunter zur Reisachmühle, wo wir auf die von Kurt vorhergesagten Kampfdackel stießen. Von der Mühle ging es wieder steil hoch zur Straße. Auf ihr rollten wir flott hinab bis zur Senffabrik. Dort zweigten wir links ab und quälten uns wieder rauf nach Zachenberg. Der Radweg neben der Straße machte auch nur wenig mehr Höhe als diese, bevor es wieder runter nach Gotteszell ging. Vor dem Bahnübergang zweigt eine Sackgasse nach links ab, für Radfahrer geht es aber durch. Wärend die Bahn nun tunnelt, müssen wir über den Berg. Bisher war also noch nichts mit bergab und Erholung. Als sich eine Bank zeigte, hielten wir spontan Mittagsrast. Wir blieben weiter auf dem Forstweg oberhalb der Bahn bis Diessenbach, wo wir die Bahn und die B11 querten und nach Grafling fuhren.
Nun unter der 11 duch nach Arzting, Wühn und Alberting, bevor es endgültig in einer schönen flotten Abfahrt runter nach Deggendorf ging. Beim Real,- schnell noch Grillgut gekauft, bevor wir den Wegweisern Richtung Hafen (dem einzigen Hinweis auf die Donau) folgten. Am Kollbach entlang fuhren wir in einem Grünstreifen an allerlei Kunstwerken bis zur Donau, dann den Donauradweg flußabwärts. Ziemlich schlecht ausgeschildert umgingen wir das Industriegebiet, bis der Weg als Streifen neben der Straße wider auftauchte. Bald schwenkte er zum Glück in die Wiesen, nahm jedoch den Weg durch zwei Drängelgitter. Die Freude wurde danach nur dadurch getrübt, daß wir nun direkt neben der Autobahn fahren mußten. Aber auch diese wurde überquert und alles hätte perfekt sein können, wenn nicht Kurts Schaltung verreckt wäre. Er konnte nun noch wählen zwischen dem 13. und 14. Gang. So fuhren wir nur noch bis Niederalteich und setzen dort mit der Fahrradfähre über. Zum Nachtanken gingen wir dann gleich in den Biergarten "Überfahrt".

Zurück fuhren wir dann Isarradweg durch Wiesen und urwüchsige Flußauen. Hier trafen wir dann auch auf die berüchtigten Touriradler, die in wilden Rudeln die Wege blockieren und nichtmal auf Klingeln reagieren. In Plattling wollten wir dann in die Waldbahn steigen und zurückfahren. Der Bahnhof war leider schlecht ausgeschildert, so daß wir ihn versehentlich umrundeten und dann auf einer sehr treppenreichen Brücke über die Gleise mußten. Mit der Waldbahn ging es dann zurück nach Regen. Wäre schon der 15. Mai gewesen, hätten wir mit dem Bayerwald-Ticket sogar noch ein paar Euro sparen können.
Das war die weiteste Tour mit 71 km, einem 16er Schnitt und Vmax von 69,5 km/h. Schnell den Grill angeworfen, denn die Mägen knurrten. Umherziehende Gewitter nötigten uns zwar irgendwann, den Tisch reinzutragen, aber da war sowieso schon fast alles gegessen. Mit Gitarre und Lightshow am Himmel klang dieser Abend aus.

Zum Ausklang etwas Geschichte

Sonntag, 12. 5.
Heute stand nicht mehr viel an. Dietrich fuhr schon nach dem Frühstück ab und das Wetter lud auch nicht zu großen Touren ein.
Gegenüber auf der anderen Talseite war immer die Burgrine Weißenstein zu sehen und Kurt und ich beschossen, uns diese mal anzusehen. Nur 6 km entfernt war das Hinkommen kein Problem. Da Rainer seine Knie schonen wollte und Kurts Schaltung immer noch hakte, fuhr er mit Rainers Rad. Als wir bei beginnendem Nieselregen ankamen, wollten wir erstmal ins Museum im "fressenden Haus" (dem alten Torhaus). Dort sagte man uns, wir dürften sogar kostenlos hinein, weil heute Museumstag sei, aber erst in einer Stunde, denn sie machen jetzt Mittagspause. Also stellten wir unsere Räder erstmal unter ein Dach im Hof und sahen uns die Ruine an. Das Kassenhaus zum Burgturm war zum Glück einfach nur nicht besetzt und der Aufgang war trotz Mittagssause offen. Die Burg war auf dem dort zutagetretenden Quarzit, den Pfahl, gebaut worden und bot eine prächtige Aussicht. Mit ehemals 5 Stockwerken war das ein richtiger Wolkenkratzer.

Ruine
Burgruine Weißenstein

Nach Tee und Keksen war es auch 13 Uhr geworden, und wir konnten noch ins Museum. Neben einer sehr interessanten Ausstellung über Volkskunst gab es noch merkwürdige Bilder und die üblichen Fundstücke der Burg zu sehen. Eigentlich wollten wir nun noch eine kleine Runde fahren, aber ein verdächtiges Zischen aus meinem Reifen ließ uns umkehren. So kochten wir uns dann gegen 15 Uhr ein gutes Mittagessen und schlafften auf dem Balkon bis zu meiner Abreise. Die Beiden gaben mir noch Geleit zum Bahnhof, (Kurts Schaltung hatte sich über Nacht merkwürdigerweise wieder erholt) wo ich dann mein Rad zerlege und verpackte. Um 18.55 Uhr stieg ich in die Waldbahn nach Plattling. Der IC 520 war lange nicht voll und wurde es auch nicht, hatte aber dummerweise nur 7 Fahrradplätze und die waren natürlich voll. Aber mit dem Paket im Abteil hatte ich keine Probleme.
Beim mitternächtlichen Zusammenbau meines Rades im Bahnhof Bad Homburg hatte ich noch ein paar interessierte Gespräche über Liegeräder mit dem Wachpersonal und konnte schließlich um 1 Uhr ins Bett sinken.

Epilog

An Karten verwendeten wir:
1:50000 die Offizielle Radwanderkarte Landkreis Regen und die Wanderkarte mittlerer Bayr. Wald Böhmerwald und
1:150000 ADFC Bayrischer Wald Donau

Bei den abschließenden Wartungsarbeiten am Rad mußte ich feststellen, daß an der hinteren Kette eine Lasche gebrochen war. Mann, muß ich stark gewesen sein.
Kurt fuhr dann Montag früh und hatte das Glück, wieder in dem tropischen Treibwagen zu sitzen und beim Umsteigen von den Ansagen sinnloserweise von Pontius zu Pilatus gehetzt zu werden, aber unter Einsatz aller Kräfte und unter Verlust seines Rückspiegels schaffte er trotzdem seine Verbindungen. Sogar die Schaltung hatte durchgehalten. Trotzdem hat er das Rad erstmal eingeschickt.