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Cruising Seacycle - mit dem Tretkatamaran auf dem Bodensee

Nach dem Umbau - Der Seacycle Tretkatamaran ist nun ein Mini-Hausboot

Samstag, 28. Mai 2011
Gestern Nachmittag habe ich das Seacycle zur Probe auf der Wiese vor dem Haus montiert. Auch das neue und größere Zelt habe ich auf der Plattform befestigt, um seine genaue Position und die Befestigungspunkte festzulegen. Dann habe ich noch das neue „Bimini“ Faltverdeck montiert,  die 4 Abspannleinen wurden zugeschnitten und angebracht. Philipp, unser Nachbar, kam interessiert vorbei und erkundigte sich nach dem Ziel der Expedition. Unser Ziel war der Bodensee bei Überlingen.

Am Samstag nach dem Frühstück haben wir noch die persönlichen Sachen gepackt, gegen 11 Uhr waren wir dann startklar. Patrice hatte mir geholfen, Plattform und Schwimmer auf den Dachträger zu heben. 

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Aufgebretzelt und startklar

Mit zwei Autos fuhren wir von Soufflenheim über die Staustufe Iffezheim zum Bahnhof in Baden-Oos, dort haben wir ein Auto geparkt. Denn Caroline und Calvin würden nur bis Sonntag bleiben und von Konstanz mit der Schwarzwaldbahn zurück fahren, ich plante bis Mittwoch am Bodensee zu bleiben.

Wegen Stauwarnungen sind wir über die Rote Lache, das Murgtal und den Schwarzwald gefahren. Nach 3 Stunden Fahrt sind wir dann gegen  15 Uhr am Campingplatz Nußdorf angekommen. Der Platz liegt unterhalb  des Klosters Birnau direkt am See.  Am Vormittag hatte ich telefonisch angefragt, ob ich dort am Uferstreifen mein Boot  gegen Entrichtung einer Parkgebühr montieren könnte. Ich war froh über die Zusage von Frau Köhne, der Besitzerin des Campingplatzes. Es war ein gutes Gefühl bei der Anreise - die Zuversicht, willkommen zu sein. So wie ich den Uferstreifen in Erinnerung hatte, würde ich meinen Katamaran dort ohne Stress aufbauen können.

Frau Köhne hat uns freundlich begrüßt und die Schranke der Zufahrt geöffnet. Wir waren schnell handelseinig. Ich konnte mit dem Auto fast bis ans Wasser, der flache Sand- und Kiesstrand war ideal.

Zuerst haben wir die Rümpfe ans Wasser gebracht und so abgelegt, dass die Schwimmer bereits zur Hälfte im Wasser waren. Das ist wichtig, denn nach Montage der Einzelteile wiegt das Boot ungefähr 100 Kilogramm – davon sollte schon möglichst viel vom Wasser getragen werden.

Nach der Plattform wurden Bodenmatte, Zelt und Verdeck montiert. Calvin hat im Zelt die Luftmatratze aufgepumpt,  Caroline reichte dann Schlafsäcke, Taschen, Schwimmwesten und unseren Notproviant ins Zelt. Ich habe derweil die beiden Sitze und Treteinheiten befestigt, Anker, Paddel und Enterbrett zum Boot gebracht und zuletzt das Auto beim Eingang geparkt. Ein Blick auf die Uhr – für Aufrüsten und Laden haben wir ungefähr  eineinhalb Stunden gebraucht. Nun konnte es also losgehen! 

 

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Start unserer Bootstour am Campingplatz bei Nußdorf - klar zum Auslaufen!

 

Calvin verbrachte die kleine Etappe bis Uhldingen im Zelt, Caroline und ich saßen vorn auf den Sesselradsitzen und kümmerten uns um den Antrieb. Ich war euphorisch, alles klappte prima! Mit 6 Stundenkilometern glitten wir Richtung Südosten am Ufer entlang und näherten uns schon bald den Pfahlbauten von Uhldingen. Ob der Hafenmeister noch einen Stegplatz für uns hat?

Wir hatten  4 Wochen zuvor einen Kurzurlaub in Uhldingen verbracht. Bei dieser Gelegenheit hatte ich mich beim Hafenmeister Schwarz wegen der Übernachtungsmöglichkeiten im Hafen erkundigt.

Stolz wie Oskar liefen wir in den offenbar gut besuchten Hafen ein und machten in der Höhe des Hafenmeisters Halt. Der musterte unser Gefährt und hat uns gleich wieder umdirigiert in den benachbarten Fischereihafen. Schade eigentlich.

Also kehrt marsch. "Halbe Kraft rückwärts", raunte ich Caroline zu, während ich mit der gleichen Drehzahl vorwärts pedalierte. So drehten wir unser Gefährt  auf der Stelle und machten einige Minuten später längsseits an der Kaimauer des Fischerhafens fest. Ich vertäute einen der Fender zwischen Ausstiegsleiter und Schwimmer, mit dem Kabelschloss sicherte ich das Boot an der Leiter. Das Festmachen an der Leiter ist eigentlich nicht zulässig, da wir aber nicht über den Bug aussteigen können, blieb uns keine andere Wahl.

Die erste kleine Etappe in der neuen Konfiguration hatten wir erfolgreich gemeistert. Es waren zwar  nur 3,5 Kilometer, andererseits war es mittlerweile  18 Uhr und Zeit zum Abendessen.

Zuvor noch die Anmeldung beim Hafenmeister: Formular ausfüllen, die Übernachtungsgebühr für ein Boot kleiner als 10 Meter begleichen, Schlüssel für den Sanitärblock in Empfang nehmen.  Direkt danach gingen wir zielstrebig die 100 Meter zur Terrasse des „Seehof“ und bestellten das argentinische Rumpsteak mit Röstzwiebeln, Spätzle und dem bunten Salatteller Reichenau. Das hatte schon beim letzten Mal so fantastisch geschmeckt. Ich war in Feierlaune  - bisher hatte alles bestens geklappt, nun konnten wir bei einem leckeren Abendessen und einem großartigen Blick auf Hafen und See den Sonnenuntergang genießen!

 

 

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Auf der Terrasse des "Seehof" in Uhldingen


Sonntag, 29. Mai 2011
Die Nacht an Bord war eng. Die Luftmatratze ist 120 cm breit, das Zelt misst innen 140 cm. Für 2 Personen ist das ausreichend, den Platzbedarf von Calvin (mittlerweile 12) habe ich offensichtlich unterschätzt.

Calvin lag wie ein Pascha in der Mitte, Caroline und ich mussten uns mit dem Rest rechts und links davon begnügen  – es war eng, zumal mit den zusätzlichen Taschen und Schwimmwesten im Zelt. Geschlafen haben wir nicht so gut. Zumindest Caroline und ich nicht. Auch wegen der Enten und Blässhühner, die offenbar auch nachts ein paar Revierstreitigkeiten austragen müssen.

Am Sonntagmorgen haben wir uns dann zeitig aus dem Zelt gepellt. Die Sanitäranlagen im Uhldinger Hafen sind klasse. Nach einer Dusche haben wir wieder das lieb gewonnene Frühstücksbuffet im Seehof genossen, die nette Kellnerin hat uns gleich wiedererkannt und  fragte nur zur Sicherheit: 2 Cappuccini, eine kalte Milch, 1 mal Spiegelei? – Gerne!

 

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Drei Seefahrer (Hafen Uhldingen)

Gegen 11 haben wir den Schlüssel beim Hafenmeister abgegeben und sind Richtung Mainau losgefahren. Calvin war am Steuer, bei strahlender Sonne und nahezu Windstille haben wir den Überlinger See gequert. Das GPS bescheinigte uns eine Reisegeschwindigkeit von 6 Kilometern pro Stunde.

 

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Calvin am Steuer, im Hintergrund die Insel Mainau

Wir passierten die Mainau und machten nach ca. 1 Stunde eine Rast in Staad. Dann ging es weiter nach Konstanz. Dort haben wir wegen einer Veranstaltung keinen Liegeplatz im Hafen bekommen. Deshalb habe ich Caroline und Calvin direkt am Steg verabschiedet, sie wollten von Konstanz mit dem Zug zurück nach Baden-Baden fahren. Beide mussten am nächsten Tag wieder ihren Alltag antreten. Ich hatte noch 3 freie Tage vor mir!

Bei der Hafenausfahrt hörte ich die Lautsprecheransage vom Bahnhof: Bitte einsteigen, Türen schließen selbsttätig, Vorsicht bei der Abfahrt.
Etwas beklommen war mir dann doch zumute, als die Beiden sich verabschiedeten.

 

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Hafen Konstanz

10 Minuten später und draußen auf dem See war meine Zuversicht wieder zurück. Der Wind hatte aufgefrischt, mit 2 bis 3 Beaufort blies er mir genau ins Gesicht. Damit ich dem Wind nicht so viel Widerstand biete,  hatte ich bereits im Hafen den längs über das Zelt geführten Gurt gespannt und damit das Zelt von 95 auf ungefähr 50 cm Höhe niedergezurrt. Das hat sich bewährt. Ich habe dann trotzdem meine sieben Sachen in Griffnähe hinter mir im Zelt, der Blick nach achtern ist frei, das Boot ist insbesondere bei Seitenwind deutlich besser zu steuern.

Wegen der Regatta war viel los auf dem Wasser. Immer wieder kreuzten Segelboote meinen Kurs. Viele freundliche, interessierte Blicke, auch anerkennende Gesten, die galten wohl mir und meinem ungewöhnlichen Gefährt.

In der Nähe von Meersburg ließ der Wind wieder nach, jetzt spürte ich die Sonne auf meinen Oberschenkeln, obwohl ich fast die ganze Zeit im Schatten des Verdecks gewesen war. Zeit für eine Badepause. Das tat gut, schade, dass wir nicht vorher auf die Idee gekommen waren, das würde Calvin gefallen! Das Wasser war mit ungefähr 18 Grad noch frisch, trotzdem bin ich einige Male unter den Rümpfen durch getaucht und habe einige Runden um das Boot gedreht. Dann habe ich noch die Steuerseile nachgespannt, bevor ich mich an Deck wieder abgetrocknet habe.

Kurs auf den Hafen von Meersburg. Vielleicht könnte ich dort die Nacht verbringen – zuvor vielleicht einen Bummel durch die Altstadt unternehmen? Doch der Hafen von Meersburg wirkte dunkel und wenig einladend, ich konnte auch keinen freien Stegplatz sehen, an dem ich längsseits hätte anlegen können. Also doch nicht Meersburg.  Nach der erfolglosen Suchschleife im Hafen  bin ich wieder Richtung Uhldingen  gefahren.

Sollte ich im Flachwasser in der Nähe von Uhldingen ankern, oder lieber wieder in den Hafen? Zuerst habe ich noch mal eine Bedenk- und Badepause eingelegt, dann habe ich mich doch für den Hafen entschieden. Und dieses Mal hat mir Hafenmeister Schwarz einen prima Stegplatz zugewiesen. An einem Kopfsteg in der ersten Reihe. Im Logbuch konnte ich eine Tagesstrecke von 26 km eintragen.

Bin irgendwie doch ein Gewohnheitsmensch – und wieder auf der Terrasse des Seehof gelandet. Bei einem gemischten Salat und einem Weizen habe ich den Sonnenuntergang genossen.


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Seacycle im Hafen von Uhldingen - Im Hintergrund rechts der "Seehof"


Montag, 30. Mai 2011
Prima geschlafen! Kein Wunder auch bei dem üppigen Raumangebot und dem komfortablen Liegeplatz! Der Verkehr auf der Bundesstraße, die auf einer Anhöhe in einigen hundert Metern Abstand parallel zum Ufer verläuft, war allerdings schon früh zu hören. Im Hotel war mir das nicht aufgefallen.

Nach der Morgentoilette habe ich mich bei einem Stehfrühstück bei einem Bäcker in Hafennähe gestärkt, ein belegtes Brötchen und eine Nussschnecke habe ich als Wegzehrung gekauft.

 

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Das Mini-Hausboot im Größenvergleich

Den Hafen habe ich gegen halb elf verlassen - wohin zieht es mich heute? Ich entschied mich für die Marienschlucht - also für Natur pur. Denn die Marienschlucht liegt am Ufer eines langgezogenen Bergrückens gegenüber von Überlingen. Dort gibt es weder Straßen noch Siedlungen. Die Grafen von und zu Bodman haben sich wehrhaft und erfolgreich gegen den geplanten Bau einer Uferstraße behauptet. Zum Glück!

Ich verließ den Hafen zeitgleich mit einem Ausflugdampfer. Die Kursschiffe haben grundsätzlich Vorfahrt. Wie es sich gehört, habe ich meine Ausfahrt verzögert, während das große Schiff vor mir  ablegte und Kurs Richtung Mainau nahm. Der Kapitän legte das Ruder ganz nach links und gab schon beim Drehen ordentlich Schub. Vom Achterdeck grüßten und winkten die Ausflügler, während meine Nußschale über die großen langgezogenen Heckwellen glitt, dabei wurde die beiden Schwimmer vorn mehrfach von den Wellen überspült. Immerhin, das neue Deck, obwohl tiefer gelegt, blieb trocken. Ein schönes Bild: das tiefgrüne Wasser war von der mächtigen Schraube aufgewühlt, als weißer Schaum perlten die Luftblasen wieder an die Oberfläche.  

Ich nahm Kurs auf das andere Ufer, Richtung Dingelsdorf. Von dort wollte ich dem Uferverlauf Richtung Wallhausen und Marienschlucht folgen. Ich hatte vor, dort in der Nähe zu ankern und bis zum nächsten Morgen zu bleiben.

Nach 45 Minuten erreichte ich östlich von Dingelsdorf das südliche Ufer. Ich ankerte im Flachwasser für eine Badepause. Großartig – alleine mit meinem kleinen Hausboot mitten in der Natur, im Wasser, in meinem Element!


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Badepause - vor Anker im Flachwasser


Nach der Pause ging es weiter am Bodanrück entlang Richtung Wallhausen. Ich nutzte die Windstille und protokollierte einige Werte von Pulsmesser und GPS:
Puls 90:             5,5-6,0 Kmh

Puls 100-110:     6,5 kmh
Puls 120:           7,0-7,5 kmh       

Ich bin echt zufrieden mit diesen Messwerten. Offensichtlich habe ich mit dem Umbau eine bessere Trimmung erzielt. Im Vergleich zu meiner provisorischen Plattform aus Holz habe ich die neue Plattform und damit auch den Schwerpunkt um 20 cm nach vorn verlegt. Mit der Folge, dass der kleine Heckspiegel am Rumpfende nur 3-5 cm eintaucht und damit weniger Widerstand erzeugt.

Ich passierte den Hafen von Wallhausen. Vielleicht könnte ich dort morgen zum Frühstück anlegen? Erst mal hatte ich aber ein anderes Ziel, den Teufelstisch, den berühmten Tauchplatz westlich von Wallhausen. Das ist eine Felsnadel, die aus 90 Meter Tiefe bis knapp unter die Wasseroberfläche emporragt. Tauchen ist dort gefährlich und deshalb nur mit einer Sondergenehmigung erlaubt, es gab schon zu viele Tauchunfälle. Westlich von Wallhausen beginnt die spektakuläre Steilwand. Ich glitt im tiefgrünen Wasser an der Felskante entlang. Die gelb und rötlich schimmernde Steilwand zeichnete sich deutlich im klaren Wasser ab. Meine Bugwelle versetzte die Felswand scheinbar in eine tanzende Bewegung. Die senkrechte Wand hatte Furchen und kleine Buchten und Vorsprünge. Sie ragte senkrecht aus der Tiefe empor - bis einen halben Meter unter die Wasseroberfläche. Links davon die Uferlinie, ein gelber Saum aus Kies und Sand. Es fühlte sich an wie eine Ballonfahrt in geringer Höhe. Ich schwebte über der schroffen Felskante, glitt über der Steilwand entlang. Eine paradiesische Ruhe, nur das Plätschern des Wassers an den Rümpfen und die Vogelstimmen am Ufer waren zu hören (darunter Mönchsgrasmücke, Kleiber und Mauersegler).

 

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Uferlinie mit Felskante bei Wallhausen

Ich hatte den Teufelstisch als Zwischenziel im Navi eingegeben, hätte ihn aber auch ohne Hilfsmittel gefunden. Die Felsplatte ist unübersehbar, sie hat an ihrer Spitze eine Fläche von etwa 3 Tischtennisplatten und ragte bei dem gerade sehr niedrigen Wasserstand bis ca. einen halben Meter unter die Wasseroberfläche. Ein Stahlpfosten mit dem Seezeichen 22 steht wie ein Stativ mitten auf der Felsnadel, das zusätzliche Warnschild informiert über das Tauchverbot im Umkreis von 200 Metern.

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Teufelstisch nähe Wallhausen

Ich umrundete das Seezeichen und dachte an den Taucher, der sich vor einigen Wochen mit Schlauchboot und Hunden Richtung Marienschlucht am Campingplatz Maurach verabschiedet hatte. Frau Köhne, die Inhaberin des Campingplatzes, hatte mir davon berichtet.  Nachdem er auch am Abend nicht zurück gekommen war, hat sie die Wasserschutzpolizei informiert. Die Polizei hat das Boot mit den Hunden dann auch schnell gefunden. Der Taucher wurde erst zwei Wochen später mit einem Tauchroboter aus 70 Meter Tiefe geborgen. Caroline hat mit einer Google-Suche herausgefunden, dass er  ganz in unserer Nähe zu Hause gewesen war.

Nach einer weiteren halben Stunde Fahrt entlang der Steilwand erreichte ich die Marienschlucht.
Es gibt dort eine Anlegestelle für die Ausflugschiffe. Von dort kann man die Marienschlucht zu Fuß erkunden – wenn sie nicht gerade gesperrt ist.

Ich war nicht allein. Ein traditioneller Segelkutter hatte von Überlingen kommend offensichtlich das selbe Ziel.  10 bis 12 Jugendliche waren an Bord. Wegen der Windstille war das Gaffelsegel eingerollt, stattdessen kamen 4 lange Ruder im Einsatz. Der Kutter legte am Steg an, ich suchte mir einen Ankerplatz im Flachwasser westlich der Anlegestelle.

Aus dem hüfttiefen Wasser watete ich in Badeschuhen, Badehose und T-Shirt ans Ufer, von dort ging ich zu dem Rastplatz oberhalb der Anlegestelle. Im Gespräch mit einem der beiden Betreuer erfuhr ich, dass das Boot zur Schule Salem am gegenüberliegenden Ufer gehört und dass die Jugendgruppe hier lagern und übernachten wollte.

Zurück auf dem Boot habe ich dann entschieden, etwas mehr Abstand von der zu erwartenden geselligen Runde zu nehmen. Ich holte den Anker auf und fuhr einige hundert Meter weiter nach Westen. Ich ankerte wieder in Ufernähe, direkt an der Grenze zwischen Sonne und dem Schatten der Steilwand des Bodanrück. Den Nachmittag habe ich mit schwimmen, ausruhen und lesen verbracht. Ich verblieb noch geraume Zeit auf der Sonnenseite – die Sonne wanderte genau an der Kontur des Bergrückens entlang nach Nordwesten. 

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Abendstimmung bei der Marienschlucht        

Zum Abendessen gab es nur einen Apfel und ein paar Kekse, ich  war nicht hungrig. Ich genoss die Abendstimmung und die Natur. Über den Alpen bei Bregenz türmten sich die ersten Gewitterwolken, die untergehende Sonne tauchte sie in rötliches Licht. Schon kurz nach der Dämmerung verschloss ich das Innenzelt und legte ich mich schlafen. Zuvor hatte ich im Navi noch einen Ankeralarm aktiviert, mit einem Toleranzradius von 12 Metern. Und das Positionslicht mit seinem Magnetfuß auf dem Verdeck befestigt.
Tagesstrecke: 17 km

Dienstag, 1. Juni 2011
Die Nacht war unruhig, zumindest in der ersten Hälfte. Noch bis spät in die Nacht fuhr wohl dann und wann noch ein Motorboot irgendwo auf dem Überlinger See. Immer wieder kamen Wellen angerollt, die den kleinen Katamaran von der Seite erwischten und heftig durchschaukelten. Der Abstand zwischen den Wellen war irgendwie ungünstig, das Schaukeln schnell und ungemütlich. Zu allem Überfluss piepste sogar der Ankeralarm zwei Mal.  Offenbar hatte sich der Anker durch die Schaukelei aus dem kiesigen Grund gelöst und war wohl einige Meter über den Grund geschleift, bis er wieder gefasst hat. Es war windstill, deshalb machte ich mir keine Sorgen. Habe den Ankeralarm einfach ignoriert und mich wieder umgedreht. Gegen Morgen habe ich dann besser geschlafen, das Wasser hatte sich geglättet.      

Aufgestanden bin ich dann um 7 Uhr. Zuerst eine Runde geschwommen, dann zum Ufer zur Morgentoilette. Gegen 8 Uhr habe ich mich auf den Rückweg gemacht. Für den Nachmittag waren auflebender Wind und Gewitterschauer angesagt, bis dahin wollte ich das Boot abgebaut und auf dem Autodach haben. Vor mir lag eine Strecke von ungefähr 7 km.

Wieder folgte ich der Uferlinie und fuhr an der Steilwand entlang. Dieses Mal in Gegenrichtung. Ich passierte den Teufelstisch, dann Wallhausen. Ich folgte der Uferlinie weitere 2 km, dann nahm ich direkten Kurs auf das Kloster Birnau und querte den Überlinger See. Langsam frischte der Wind auf, er kam nun genau von achtern. Mit dem Rückenwind kam ich mit 7 Stundenkilometern voran.

Kurz vor Erreichen des Campingplatzes bin ich nochmal geschwommen, um 10:30 Uhr war ich am Ziel. Um 12 Uhr war die ganze Ausrüstung verstaut. Beim Aufladen von Plattform und Schwimmern hat mir ein freundlicher Camper geholfen. Wir kamen ins Gespräch, er baut Schiffsmodelle und interessierte sich für einige Details meines Tretkatamarans.  Nachdem alles eingeräumt war, hat er mich noch zu einer Tasse Kaffee vor seinem Wohnwagen eingeladen. Wir haben uns angeregt unterhalten, ich blieb fast eine Stunde. Später auf der Rückfahrt habe ich mich gefragt, ob es nicht unhöflich war, ihn und seine Frau so lange von ihrem Tagesprogramm abgehalten zu haben. Wir haben die Mailadressen ausgetauscht und konnten das zwischenzeitlich klären. Hermann hat mich beruhigt, nein es sei auch für ihn ein interessanter Austausch gewesen.

Auf dem Heimweg habe ich noch einen Besuch bei Kurt am Untersee gemacht.

Das vorhergesagte Tief war pünktlich, das Seacycle wurde auf der Rückfahrt ordentlich geduscht. Um 21:40 Uhr passierte ich den Rhein bei Freistett, um 22 Uhr war ich in Soufflenheim zurück. Ein schöner Ausflug! Und eine erfolgreiche erste Tour nach dem Bau der größeren Plattform - mein Seacycle hat sich zum Mini-Hausboot gemausert.
 

  • Fahrzeit insgesamt:     13:20 Stunden
  • Gesamtstrecke:           54 Kilometer
  • Max. Fahrt:                7,5 Kilometer pro Stunde
  • Fahrtmittel:                4,1 Kilometer (Badepausen und Ankerkreise mitgezählt)

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