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Rheintal 2003

Das einzige Foto meiner Rheintour
Das einzige Foto meiner Rheintour

Im Sommer 2003 unternahm ich meine erste größere Urlaubstour mit meinem Flevobike. Nachdem ich bereits in 4 Tagen ganz Deutschland durchquert hatte (siehe Olbersdorf - Apeldoorn in 4 Tagen), saß ich nun in Apeldoorn und überlegte, wie ich denn von dort aus weiterfahren könnte. Direkt wieder zurückfahren wollte ich eigentlich nicht, meine Familie machte Urlaub in Südwestdeutschland, es bot sich also geradezu an, den Rhein herauf zu fahren.
Also mal schauen, wo ich die nächste Nacht dann unterkommen könnte, der Finger zeigt auf der Landkarte die Gegend um Düsseldorf, also los!

Apeldoorn - Ratingen

Am Freitag, 18.7.2003, fahre ich früh in Apeldoorn los. Entlang dem Apeldoorn-Kanal geht es schön schattig und windgeschützt viele Kilometer gen Süden. Die Landschaft, die man dort und auch noch weiter südlich des Apeldoorn-Kanals vorfindet, ist meiner Meinung nach eine der schönsten in den Niederlanden: Platt, grün, kleine Dörfer. Das einzige, was mich dort stört, ist der Gegenwind, aber zurückgelehnt ist es auszuhalten. In Dieren setze ich mit einer kleinen Fähre über den Fluss IJssel über. Der Fährmann spricht bereits einen anderen Dialekt, als er zum Beispiel in Apeldoorn zu hören war.

Von Dieren aus fahre ich weiter durch Doesburg, Doetinchem (die letzte größere Stadt für mich in NL), Gaanderen, Ulft und Gendringen. Gendringen ist für mich das letzte Stückchen Niederlande für dieses Jahr. Am Ortsausgang hört dann schlagartig der rote Radstreifen am rechten Straßenrand auf, ein Schild erzählt mir "Willkommen in Nordrhein-Westfalen" und ich "darf" auf den linksseitigen Radweg wechseln in einer Art, wie ich sie in den letzten Tagen nicht erleben konnte, weil die Niederlande derartig be***issene Radwege nicht zu bieten haben. Da ich mittlerweile auch wieder ein wenig Hunger habe, halte ich kurz nach der Grenze an und hole mir ein Butterbrot aus dem Rucksack, der in dem Korb auf dem Gepäckträger liegt. Dazu noch das Telefon, um der Familie Bescheid zu sagen, dass ich nun wieder in D bin. Bis hierher ist aber noch niederländisches Netz. Also noch ein wenig in Richtung Anholt fahren. Draufgesetzt, linke Hand Butterbrot, rechte Hand mit zwei Fingern Telefon, Anfahren und in Zeitlupentempo hinlegen, nachdem das Vorderrad auf dem auf dem Radweg liegenden Dreck wegrutscht - langsam steigert sich mein Radwegefrust wieder....

Dann fahre ich mehr durch kleine Ortschaften, die glücklicherweise nur selten Radwege haben. Es geht nach Süden durch Vehlingen, von dort nach Isselburg und wiederum von dort nach Haldern, wo ich dann versuche, auf die B8 zu gelangen. Der dortige Radweg scheint ausnahmsweise mal benutzbar zu sein, ich fahre recht schnell dahin. Nun ist der Rhein quasi schon parallel zu meiner Route, schneller geht es aber doch auf der B8 durch Wesel, wo ich dann die etwas weniger befahrene Straße Richtung Dinslaken nehme. In Dinslaken sehe ich nun das erste Mal auf meiner gesamten Urlaubstour ein Liegerad in freier Wildbahn.

Gen Süden fahre ich nun immer weiter hinein nach Duisburg. Vorher habe ich bereits versucht, den Rheinradweg zu finden, was zur Folge hat, dass ich einige Kilometer über reifenmarternde Schotterstrecken fahre, auf denen ich förmlich zusehen kann, wie mein Rad immer mehr verstaubt...
In Duisburg versuche ich immer schön, dem Rhein zu folgen. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich nicht, dass der Duisburger Hafen der größte Binnenhafens der Welt ist. Also immer so fahren, dass rechts von mir Wasser zu sehen ist, da sollte ja nix schiefgehen - denke ich. Aber mit den vielen Hafenarmen verlängert sich die Strecke natürlich wahnsinnig. Nachdem ich darin irgendwie keinen richtigen Erfolg erkennen konnte, versuche ich mich anhand des Sonnenstandes zu orientieren. Das hat zur Folge, dass ich nun wenigstens gen Süden eiere. Zwischendurch sehe ich kurzzeitig einen Wegweiser mit der Aufschrift "Düsseldorf". Also nix, wie dort entlang, aber bereits an der nächsten Kreuzung findet sich nichts mehr. Nachdem ich mich dann durch eine Wohnsiedlung gekämft habe - immer von der Sonne geleitet - fahre ich dann der einzigen ausgeschilderten Straße nach. Diese führt mich gen Rheinhausen, aber es geht ja sicher vor der Rheinbrücke nochmal links ab. Als ich diesen Gedanken verworfen habe, frage ich ein paar Arbeiter, die wahrscheinlich gerade Feierabend hatten und nun am Straßenrand auf den Bus warteten, wo es denn hier nach Düsseldorf ginge. Einer von ihnen schildert mir haargenau mit einem italienischen Akzent die Strecke, ich von dort aus fahren muss. Und siehe da, nach ca. 10 Minuten fahre ich auf der Düsseldorfer Landstraße. Ein Blick auf den Tacho zeigt, dass ich wohl 40km allein in Duisburg verfahren habe, toll! Dieser folge ich bis Düsseldorf Kaiserswerth, wo ich nach links in Richtung Ratingen abbiege. Sofort nach dem Abzweig geht die Straße bergauf. Ein BMX-Rad-fahrender Junge versucht, mich auf dem Anstieg abzuhängen. Das weckt jedoch nach knapp 200km in den Beinen nur meinen Ehrgeiz und ich hänge ihn mit meinem schwer bepackten Flevo mit Hänger ab - sage noch einer, Liegeräder seien langsam am Berg und Fronttriebler kämen keinen Berg hoch.

Trotzdem schlauchen im weiteren Verlauf die Berge schon ziemlich, Ratingen scheint schon im Bergischen Land zu liegen. Der Ortsteil Ratingens, in den ich muss, liegt noch weiter östlich, so dass ich mich immer weiter vom Rhein entferne. Schließlich finde ich aber meinen Dachgeber für diesen Abend, nachdem ich noch ein wenig durch den Ort geirrt bin. Er ist selber auch Liegeradler und hat schon viele größere Touren unternommen und so endet der Abend erst sehr spät...

Am Abend muss ich erst einmal schauen, wo ich denn die nächste Nacht verbringen könnte. Bei der Gelegenheit bemerke ich, dass ich für südlich Düsseldorf kein Kartenmaterial mehr dabei habe. Aber eine Deutschlandkarte hängt in einem der Zimmer, ein Stück NL ist auch noch drauf. Also den Abstand Apeldoorn-Düsseldorf in die Fingerspanne genommen und dann die Entfernung nach Süden übertragen - die nächste Nacht verbringe ich also in Koblenz.

Ratingen - Koblenz

Am nächsten Morgen geht es früh gegen 8 Uhr wieder los. Gleich die ersten paar Berge rauf und dann über Metzkausen, Mettmann, Erkrath und Hilden in Richtung Düsseldorf/Urdenbach, um dann an der Fähre nach Feste Zons überzusetzen. Der Fährmann ist ein wenig überfordert bei der Berechnung eines Tarifes für mein Rad mit Anhänger. Schließlich nennt er mir einen Preis, der über dem liegt, den ich mir ausgerechnet hatte. Ich frage ihn, wie dieser Preis zustande kommt. Es kommt ihm nur ein Rumgestammel über die Lippen, dann kommt ihm ein etwas älterer Kollege zur Hilfe und verkündet, dass dies der Preis für Motorrad mit Beiwagen ist - logisch.

Ab hier sehe ich das erste Mal den Rheinradweg so, wie ich dachte, dass er überall ist. Es geht auf relativ gutem Pflaster schnell dahin, für die kleinen Unebenheiten hab ich ja schließlich eine Federung. Also erreiche ich ohne besondere Vorkommnisse Köln. Von Norden aus fahre ich kilometerweit durch ein riesiges Industriegebiet, vorbei an Hallen eines großen Kölner Automobilherstellers. Dann folgt Köln, so wie man es kennt. Der Dom ragt über alles hinaus. Das möchte ich mir auch nicht nehmen lassen, ein hübsches Foto vom Flevo vor dem Dom. Als der Dom ungefähr neben mir ist, verlasse ich den Rheinradweg und fahre immer auf den Dom zu.

Dass ich dazu aber unter dem Bahnhof durch muss, neben Reisebussen und PKW entlang, finde ich nicht so wahnsinnig toll. Aber gut, es klappt ganz gut und dann stehe ich auf der Domplatte. Viele Touristen, ich höre die unterschiedlichsten Sprachen und schiebe nun mein Rad, da ein Fahren eh kaum noch möglich ist. Nachdem ich mich ein wenig umgeschaut habe, möchte ich nun ein paar Fotos schießen. Kamera aufziehen - hoppla, geht aber schwer. Klar, Film voll. Also zurückspulen, Kurbel raus - hoppla, geht aber schwer. Hm, ging das immer so schwer? Mal ein bisschen stärker versuchen, ja, jetzt geht es ganz einfach. Klappe auf - herrje, der Film scheint gerissen zu sein. Dümmliche Versuche, den Film in seine Dose zu bekommen, bis ich diesen Quatsch aufgebe, da das auch nicht so ganz funktionert. Mittlerweile erinnere ich mich an den kleinen Knopf, der zum Zurückspulen gedrückt werden musste...

An den Souvenirladen ran und gefragt, wo es hier einen Fotoladen gibt. Die eine meint, ich müsse links um den Dom gehen, dann sehe ich schon einen, die andere Dame korrigiert, ich solle rechts rum gehen, dort sei der Laden. Naja, ich sehe dann, dass der Fotoladen auf der anderen Seite des Doms ist, irgendwie hatten beide recht. Flevo mit Anhänger an den Dom gelümmelt, nur derweilen den kleinen Rucksack mitgenommen und rein da. Dort wird mir gleich kostenlos geholfen, der Film wird entfernt und in zwei Hälften mir mitgegeben. Das war's dann wohl mit dem Großteil meiner Urlaubsfotos, ich bin ziemlich am Boden. Aber jetzt muss es ja was werden: Neuer Film rein und noch einmal den Versuch gestartet, wenigstens ein paar Fotos in Köln zu schießen. Auch im weiteren Verlauf der Reise fotografiere ich dann sicherheitshalber ein bisschen mehr. Absolut sinnlos, wie sich dann später daheim herausstellen sollte, der Film wurde wohl nicht transportiert, alles auf einem Bild, schade.

Auf der Domplatte spricht mich dann noch ein junges Pärchen an, das auf mein Rad aufmerksam wurde. Erstmal verstehe ich ihn überhaupt nicht und frage, ob er seine Worte noch einmal in Englisch wiederholen könne. Wir unterhalten uns also ein paar Minuten in Englisch, er fragt, wo ich herkomme und fragt irgendwann, ob ich denn auch Deutsch spreche. Auf meine Antwort "Yes, I do." meint er dann nur: "Warum unterhalten wir uns dann die ganze Zeit auf Englisch?" Tja, er hatte einen ganz leichten französischen Akzent, es war ringsrum laut, ich war wohl noch auf niederländisch eingeschossen, aber lustig war's doch.

Ich versuche dann, es der Glühlampe gleichzutun, ich trage meine fotografischen Erfahrungen mit Fassung und kann so wenigstens noch ein paar schnelle Kilometer machen. In Bonn sehe ich das erste Mal den alten Bundestag in Echt, außerdem taucht nun das Bergpanorama auf. In Königswinter kommt mir ein Liegeradler entgegen, ich frage ihn, ob er wisse, wie weit es noch bis Koblenz sei. Er schaut mich ziemlich verstört an und sagt, dass es noch sehr weit sei, vielleicht noch 100km. Na, der kann mir aber Mut machen...

Nun, da es links und rechts steil bergauf geht, wird es ungemütlich im Rheintal: Die Hitze staut sich, der Verkehr konzentriert sich, der Rheinradweg wird auf ein Minimum reduziert. Nachdem ich einge Kilometer auf der dicht befahrenen Straße gefahren bin, taucht links ein Radweg auf, asphaltiert, sieht hübsch aus. Also einfach mal rauf fahren. Der Radweg wird durch eine Leitplanke abgetrennt, er verläuft ca. 200m neben der Straße um dann steil auf den Weinberg raufzugehen - und keine Möglichkeit, auf die Straße zu wechseln ohne das Rad samt Hänger über die Leitplanke zu wuchten. Also rauf den Berg. Hier muss ich schieben in der Hoffnung, dass es oben dann wenigstens besser wird. Meine Hoffnung sollte nicht in erfüllt werden, jedenfalls verwandelt sich der Weg oben in einen Waldweg, der allmählich wieder den Berg herunterführt, natürlich ohne schnelle Abfahrt. Also bleibe ich in Zukunft besser an der Straße.

Es ist und bleibt enorm heiß, weswegen ich bei Neuwied einen Brunnen überfalle, mit geflutetem T-shirt geht's wenigstens eine Viertelstunde lang etwas besser, danach ist das gesamte Wasser verdunstet, schade. Nun nähere ich mich mehr und mehr meinem heutigen Etappenziel: Koblenz. Natürlich irre ich auch hier wieder ein wenig durch die Gegend, gegen 18:00 Uhr ist es schon schwierig, auskunftsfreudige Menschen zu finden. Ich möchte nach Moselweiß, aber wo ist das? So ganz ohne Karte kann ich mich nur an den Angaben im Dachgeber orientieren, 2km westlich des Zentrums. Wenigstens scheint die Sonne noch, so dass ich die Himmelsrichtungen erahnen kann, ohne den Kompass rauszuholen. Als ich dann zumindest schon im Stadtteil Moselweiß bin, frage ich noch in einer Tankstelle nach der Straße und wenige Minuten später bin ich bei der Dachgeberin für diese Nacht angekommen. Das Quartier ist eine Dachgeschosswohnung, kräftig erwärmt von der Sonne des Tages, hinter dem Haus brausen des Nächtens Güterzüge entlang. Aber ich bin eh müde, ich schlafe also trotzdem tief und fest. Für den nächsten Tag nehme ich mir vor, zu versuchen, bis Karlsruhe zu fahren, da dort der Rest meiner Familie mittlerweile gestrandet ist. Sollte es zu spät werden oder sollte meine Kondition nicht ausreichen, könnte mein Vater mich per Auto abholen, von daher sind die geschätzen 230km nicht zu schlimm. Meine Dachgeberin erklärt mich trotzdem schonmal prophylaktisch für verrückt :-)

Koblenz - Karlsruhe (eigentlich Speyer)

Heute geht es nicht so zeitig los, was daran liegt, dass einerseits die Dachgeberin Sonntags etwas dagegen hat, um 7 aufzustehen, und andererseits der Bäcker auch erst um 8 öffnen möchte. Einen Vorteil hat es ja auch: Ich bin wieder einmal richtig ausgeschlafen. Gegen 9 also fahre ich los, erstmal an die Mosel. Es war mir bis zum Vortag nicht wirklich bewusst, dass die Mosel in Koblenz in den Rhein mündet. Dann sehe ich bereits das Deutsche Eck, wo die Flaggen aller Bundesländer wehen. Ich stelle mein Flevo natürlich vor die sächsische Flagge und schieße ein vermeintliches Foto. Dann fahre ich von weiter gen Süden, schließlich habe ich eine nicht unerhebliche Strecke vor mir. Viele Kilometer weiter an der Loreley setze ich mal wieder einen Anruf ab, den ich beginne mit dem allseits bekannten Lied "Loreley-ley-ley, ein Flevo zieht an dir vorbei..." :-)

In Oberwesel kaufe ich mir zum Mittagessen eine Kiste voll Erdbeeren, deren Inhalt in Flevomanier gleich während der Fahrt "eingefüllt" wird. Dann muss ich jedoch weg von der Straße, da diese sich in eine Kraftfahrstraße verwandelt. Ich "darf" irgendwo zwischen Bahnstrecke und Straße abwechselnd auf Asphalt und Schotter fahren, was die Durchschnittsgeschwindigkeit, die mich anhand der heute angepeilten Strecke doch mal wieder interessiert, nicht gerade anhebt.
Daher versuche ich Straßen zu finden, die nicht jeder kleinen Rheinbiegung folgen und doch für Radfahrer zugelassen sind. Dieser Versuch ist jedoch schon am Ortsausgang Mainz wieder sehr hoffnungslos, da ich dort auf eine mehrspurige Kraftfahrstraße auffahre und nur noch versuche, von dieser wieder herunterzukommen. Über Umwege schlängele ich mich also wieder auf "legales" Terrain. Trotzdem möchte ich irgendwie auf eine Straße, die auf direktestem Wege nach Worms führt. Die B9 ist also die Straße meiner Wahl. Diese kann ich sogar über viele Kilometer fahren, der Verkehr hält sich in Grenzen, so dass eigentlich nur noch die brennende Sonne stört. Ab und zu schiebt sich ein kleiner Wolkenfetzen vor die Sonne, es wirkt sich sofort auf meine Geschwindigkeit aus, die dann immmer von knapp 20km/h auf über 25km/h ansteigt.

Dann ist Worms erreicht. Am Ortseingangsschild auch ein Schild, das auf Partnerstädte Worms aufmerksam macht. Ich lese unter anderem Bautzen, eine mir nicht unbekannte Stadt, ca. 50 km von daheim, aber derzeit rund 700 km entfernt...

Durch Worms hindurch kann ich großteils sehr gut fahren, da wenig Radwege existieren und nicht alle Straßen Kraftfahrstraßen sind. Allein am Ortsausgang wird die beste Verbindung nach Ludwigshafen wieder zum verbotenen Terrain, so dass ich eine Alternative finden muss. Diese sieht letztendlich so aus, dass ich auf einem Schotterweg neben einer gut asphaltierten Bundesstraße entlang fahren "darf", muntert enorm auf. Die Schotterabschnitte wollen nicht enden, sie wechseln nur die Straßenseiten und führen zeitweise durch Waldgebiete.

In Richtung Ludwigshafen sind die Feldwege wenigstens wieder asphaltiert, Bäume himgegen aber weiterhin Mangelware, das schlaucht! Beim Ortseingang Ludwigshafen gilt es dann, das BASF-Gelände zu umfahren. Der Rheinradweg verliert sich irgendwann bei dieser Umfahrung, ich komme irgendwo im Zentrum Ludwigshafens heraus, fahre durch eine Fußgängerzone, staune über die gestapelten Straßen und Wege. Weiter versuche ich mich an der Sonne und am Rhein zu orientieren, um nach Süden zu gelangen. Am Ortsausgang klingelt das Telefon. Da es schon reichlich spät ist und ich schon wieder fast 200km auf dem Tacho habe, beschließen mein Vater und dessen Gastgeber in Karlsruhe, mir entgegen zu kommen. Mir gelingt es hinter Ludwigshafen, die Spur des Rheinradweges wieder aufzunehmen. Hier ist er endlich so, wie ich ihn mir vorstelle: Schön asphaltiert, Bäume ringsrum (wobei ich sie jetzt, da es schon fast dunkelt, nicht mehr so nötig habe) und keine Autos in der Nähe. Hin und wieder geht es noch über ein paar nicht so arg befahrene Straßen, und so nähere ich mich Speyer. Dort haben wir mittlerweile den Treffpunkt ausgemacht und nachdem ich die Autobahn unterquert habe, kommt mir plötzlich ein nicht unbekanntes Fahrzeug entgegen - damit ist meine eigentliche Radreise zu Ende.

Einerseits schade, gerade jetzt, als der Rheinradweg begann, mir zu gefallen; andererseits aber doch ganz nett zu wissen, dass ich am nächsten Tag nicht wieder rund 200km vor mir habe, irgendwie wird es von Tag zu Tag wärmer...
Besonders aus Temperaturgründen wird meine nächste Sommertour kürzere Tagesetappen haben - oder sie fällt gleich in den Frühling oder Herbst. Auch den Rheinradweg werde ich - wenn überhaupt - nur nochmal bei etwas kühlerem Wetter angehen, andererseits gibt es ja in Deutschland noch so viele Ecken, die ich noch nicht unter die Räder genommen habe ;-)

Auf meiner "Rheintour" bin ich täglich ca. 200km gefahren und hatte dank Gegenwind und heftigster Sonne immer eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 20 bis 22 km/h.

Martin Anderseck
http://radseiten.die-andersecks.de/