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Das Wochenende der schnellsten Frauen der Welt

Vor allem Petra von Fintel war die herausragende Fahrerin auf dem diesjährigen Weltrekordwochenende (10. bis 12.7.2015) auf dem Testoval der Dekra. Petra erreichte - wie ihr Vorbild Christian Ascheberg - in einem Durchgang drei Weltrekorde (12 Stunden, 1.000 km, 24 Stunden) und sie ist die erste Frau, die es schaffte, mehr als 1.000 km in 24 Stunden per Muskelkraft zurückzulegen.

In diesem Jahr waren die Wetterbedingungen anläßlich des Weltrekordwochenendes des HPV Deutschland auf der Dekra-Teststrecke in der Lausitz für die Langstrecken optimal. In der Nacht von Freitag auf Samstag war es trocken, aber noch sehr frisch, sodass es trotz kräftiger Sonne länger kühl blieb. Petra von Fintel (Fahrzeug "Milan") konnte um 14:40 als Erste auf die Strecke. Um 14:48 folgte die Niederländerin Ellen van Vugt (Fahrzeug "VeloX") für einen 6-Stunden-Weltrekordversuch nach IHPVA.

Ellen van Vugt bei ihrer 6-h-Rekordfahrt - Foto HPV Deutschland e.V. alle Rechte
 

Jürgen Gehrig (Fahrzeug "Milan") hatte sich die 24-Stunden nach Reglement des WHPVA vorgenommen, in dem der tragisch gestorbene Christian Ascheberg (Fahrzeug "Milan") seit 2010 nach wie vor amtierender Weltrekordhalter mit 1.219 km ist. Jürgen hatte sich eine Infektion zugezogen und musste schnell erkennen, dass ein Versuch in diesem Jahr nicht erfolgreich sein würde. Daniel Fenn (Fahrzeug "DF"), schon mehrfach zu Gast auf dem Lausitzring, hatte sich die 12 Stunden WHPVA vorgenommen. Auch er brach ab, allerdings aus technischen Gründen.

Unser Nesthäkchen, der 15-jährige Felix Hufnagel (Fahrzeug "Milan"), begann seine ganz persönliche 6 Stunden-Rekordfahrt um 15:34.

Nici Walde (in einem an ihre Körpergröße angepassten Fahrzeug "DF"), die sich 12 Stunden nach WHPVA vorgenommen hatte, startete um 15:04 und Melchior Poppe (Fahrzeug "Velomo Highfly"), der einzige Teilnehmer, der nach dem Reglement der WRRA fahren wollte, um 15:13.

Melchior Poppe fährt wie ein Uhrwerk - Foto HPV Deutschland e.V. alle Rechte

Jan van Steeg (Eigenbau) legte um 14:42 mit einem unglaublichen Tempo mit Rundengeschwindigkeiten zwischen 75 und 80 km/h los. Leider musste er nach nicht ganz 5 Stunden und ca. 300 km aufgeben. Sein Fahrzeug hat unglaubliches Potential, was sich auch in einem 200-Meter-Versuch zeigte, den er mit ca. 95 km absolvierte, was bei den studentischen Teams größten Respekt auslöste. Drücken wir ihm die Daumen, dass es einmal etwas wird.

Christian Kanapin (Start um 14:54) konzentrierte sich auf 6 Stunden und stieg nach herausragenden ca. 350 km aus seinem "Milan". Hartwig Müller (Fahrzeug "Milan"), ebenfalls an einem neuen Weltrekord 12 Stunden nach WHPVA interessiert, startete etwas später um 16:32.

Alle folgenden Ergebnisse sind nicht nur vorläufig hinsichtlich der Meldung an die jeweiligen Verbände, sondern auch vorläufig hinsichtlich der Anerkennung an sich durch die Verbände. Sie geben nur die Strecken resp. Geschwindigkeiten wieder, die sich aus den Logs der Zeitmessung erschließen ließen:

  • Petra von Fintel:
    12 h --> ~ 575 km (um ~02:47 Uhr)
    1000 km --> um ca. 14:22 am Samstag abend (nach ~ 23 h 42 m Fahrtzeit)
    24 h --> ~ 1011 km
  • Nici Walde:
    12 h --> ~ 585 km (um ~03:05)
  • Ellen van Vugt:
    6 h --> ~ 403 km
  • Hartwig Müller:
    12 h  --> ~ 680 km
  • Melchior Poppe:
    6 h --> ~ 228 km [hier stand ursprünglich der 12-h-Wert, korrigiert]

Die von Hartwig Müller in 12 Stunden zurückgelegte Strecke liegt nur wenige Kilometer über der des amtierenden Weltrekordhalters Wulf Kraneis (Milan). Melchior Poppe wollte eigentlich eine "Generalprobe" auf dem Lausitzring machen, um ein Gefühl für Strecke und Umstände zu erhalten. Sein Weltrekord von 228 km muss nachträglich angemeldet werden. Ob dies möglich ist, wird sich zeigen. Felix Hufnagel konnte nach 6 Stunden mit ca. 276 km abschließen.

Ebenfalls herausragend ist die Leistung von Ellen van Vugt. Sie hat nicht nur ihren eigenen bisherigen Weltrekord (301,03 km) regelrecht pulverisiert, sondern auch gleich den bestehenden Weltrekord der Männer (Hans Wessels, 19.9.2007, 375,46 km, 50,17 km/h) um einen Riesenschritt verbessert.

Die Weltrekorde von Nici Walde und Hartwig Müller gehen relativ gesehen etwas unter. Sie sind dennoch phänomenale Leistungen und Nici Walde hat gezeigt, dass sie als erfahrene Triathletin die wenige Erfahrung im Umgang mit dem modifizierten DF mehr als wettmachen konnte. Sie ist ein schönes Beispiel dafür, wie durchlässig die HPV-Welt ist.

Damit gab es auf dem Lausitzring nach unseren Erkenntnissen fünf neue Weltrekorde nach WHPVA und den ersten Weltrekord nach IHPVA. Evtl. gibt es noch einen Weltrekord nach WRRA. Fünf der Weltrekorde wurden durch Frauen erzielt - damit ist das Prädikat "Das Wochenende der schnellsten Frauen der Welt" verdient und umfasst bei Ellen van Vugt sogar die Männerwelt.

Wir werden nach Anerkennung durch die jeweiligen Verbände wieder berichten.

Nachtrag am 14.7.2015 19:45

Soeben teilte uns Melchior Poppe mit, dass sein Rekordversuch über 6 Stunden wohl anerkannt werden kann. Damit wurden an diesem Wochenende insgesamt 7 Weltrekorde gefahren, 5 davon von Frauen. Petra von Fintel und Hartwig Müller nutzten ein leicht angepasstes mehrspuriges Serienfahrzeug, Melchior Poppe ein leicht angepasstes einspuriges Serienfahrzeug, Ellen van Vugt ein speziell für Rekordfahrten gebautes einspuriges Fahrzeug und Nici Walde ein durch einen Komplettumbau eines Serien-DF deutlich verkleinertes Velomobil, das aber alltagstauglich ist und die Grundlage sein könnte für ein DF "XS".

Nachtrag am 11.8.2015 21:00

Gestern wurden alle von den Senior-Observern des HPV zu erstellenden Weltrekordmeldungen an die Verbände WHPVA und WRRA umfassend dokumentiert abgegeben.